Zwischenbilanz der Championsleague: Es fehlt doch einiges…

Das ist weder überraschend noch Grund zur Sorge. Es war vielmehr erwartbar. Natürlich gebietet es die sportliche Ethik ein europäisches Überwintern als Ziel auszugeben.

Die Frage ist lediglich, wie man im Falle des Scheiterns an diesem, de facto unrealistisch hohen, Ziel reagiert.

Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt, dass die CL eine Mehrklassengesellschaft ist. Einige wenige Topteams fixieren den Aufstieg frühzeitig, das Gros der Teams spielen sich Platz 2 und 3 in mehr oder weniger spannenden Duellen aus und Platz 4 ist zumeist abgeschlagen und chancenlos, wenn es um das Minimalziel der Euroleague im Frühjahr geht.

Nur in den allerseltensten Fällen haben tatsächlich alle 4 Mannschaften den Aufstieg im Visier.

Ein Blick auf die anderen Gruppen

Zwei Teams stehen nach 4 Runden noch ohne Punkt da: Viktoria Pilsen (gegen Bayern, City und Moskau) sowie Marseille (gegen Arsenal, Neapel und Dortmund).

Zwei weitere Teams neben der Austria haben einen Punkt auf dem Konto: Real Sociedad und der RSC Anderlecht. Dazu kommt Steua Bukarest mit zwei Zählern.

Bemerkenswert ist die Ausgangslage in den Gruppen B und H. In Gruppe B steht derzeit Juventus (!) nach 3 Unentschieden auf dem letzten Platz, kämpft aber mit den nur um einen Punkt besser platzierten Kopenhagen und Galatasaray um den verbleibenden Platz im ⅛ Finale.

In der wohl attraktivsten Gruppe H steht Celtic derzeit mit ebenfalls 3 Punkten im Tabellenkeller. Auch die Schotten können sich noch Hoffnungen auf den Aufstieg machen, liegen doch Ajax (4) und Milan (5) noch in Schlagdistanz.

Die jeweils überlegenen Tabellenführer der letztgenannten Gruppen sind übrigens der FC Barcelona (H), Tabellenführer in der spanischen Liga, sowie Real Madrid, derzeit auf dem wohl etwas enttäuschenden dritten Tabellenrang. Immerhin 6 Punkte Rückstand auf den Erzrivalen haben sich für die Königlichen angesammelt.

Dazwischen liegt noch ein Team, nämlich die derzeitige Nummer eins der spanischen Hauptstadt, Atletico. Und mit einem Punkt Rückstand ist man zudem deutlich näher an den Katalanen, als der Stadtrivale an einem selbst.

Apropos Atletico

Die Madrilenen verfügen mit Diego Costa über einen Stürmer, um den sich die Confedcupfinalisten Brasilien und Spanien streiten. Dank Doppelstaatsbürgerschaft kann er sich entscheiden, für welches Land er im nächsten Jahr um die Krone im Weltfußball spielen will. Weil er das für den amtierenden Welt und Doppeleuropameister tun will, steht übrigens sogar eine Aberkennung der brasilianischen Staatsbürgerschaft im Raum…

Die Madrilenen sind derzeit eine absolute Weltklassemannschaft. Und sie sind noch dazu in einer herausragenden Form. In der Liga hat man nur ein Spiel verloren, in der Championsleague ist man heuer bisher makellos. Nur Bayern München steht nach 4 gespielten Runden ohne Punkteverlust an der Gruppenspitze.

Atletico gewann in den letzten 3 Jahren zweimal die Europaleague und daraufhin beide Male auch noch den europäischen Supercup (2010 gegen Inter Mailand und 2012 deklassierte man den FC Chelsea mit 4:1!).

Worauf ich hinaus will: Diese Mannschaft ist außerhalb jeglicher Reichweite für österreichische Vereine. Ein 0:7 im direkten Duell schaut nach viel aus. Es ist aber erklärbar, umso mehr als man in beiden Spielen nicht wirklich vom Glück verfolgt war.

Hat man in Wien die Partie noch “aktiv verschlafen”, sah die Sache in Madrid im Grunde ganz anders aus: Wir haben durchaus engagiert begonnen und sind auch zu Chancen gekommen. Die Tore selbst sind sehr unglücklich zustande gekommen. Das 1:0 nach einem Eckball, als Ramsebner einen abgefälschten Ball in den Bauch bekommt und so zum unfreiwilligen Assistgeber mutiert.

Beim 2:0 ist Ramsebner nah am Mann, wirklich nah, und trotzdem gelingt das Kopftor. Beim 3:0 und beim 4:0 agierten wir zu passiv, aber wenn man immer hinten nach ist, passieren solche Fehler zwangsläufig.

Wie gesagt, die Ergebnisse gegen Atletico wirken wie Klatschen.

Ich bin aber sicher, dass das auch dem relativ schwachen Standing der Madrilenen geschuldet ist. Hätte man diese Ergebnisse gegen Barca oder Real erzielt, sähe dies wohl jeder als Normalfall an und die Diskussionen (um den Trainer, um Aufstellungsvarianten, um die taktische Ausrichtung etc.) würden in dieser Form gar nicht geführt.

Zudem relativieren sich unsere Ergebnisse, wenn man sich die Ergebnisse anderer Spiele ansieht. (Gala- Real 1:6; Chelsea-Schalke 3:0, Anderlecht- Paris 0:5)

Und die anderen Gegner?

Atletico ist also außer Reichweite. Wie sieht es mit den anderen Teams in unserer Gruppe aus?

Nach der Auslosung wurde, entsprechend der Topfeinteilung, Zenit als Hauptkonkurrent um den EL Platz ausgemacht.

Exakt dieses Zenit, dass gegen das Topgesetze Team aus Porto immerhin 4 von 6 möglichen Punkten geholt hat (und dabei in Porto gewonnen hat und beim Heimspiel eine Vielzahl an Chancen, inkl. Elfmeter vergeben hat).

Was sagt das aus?

Ich finde, es wertet unsern heroisch erkämpften Punkt in Russland auf. Es zeigt, dass es alles andere als selbstverständlich ist gegen diesen mit Topspielern gespickten Verein zu bestehen.

Und es zeigt, dass wir klarerweise nicht um den Aufstieg mitreden können.

Natürlich, unter der Prämisse, dass Atletico durchmarschiert und alles gewinnt, wäre sogar noch der 2. Gruppenplatz möglich, wenn man in Porto und im Praterstadion gegen Zenit gewänne.

Aber gegen genau diese absurd hohe Erwartungshaltung verwehre ich mich.

Selbst ein Sieg erscheint angesichts des bisher Gesehenen utopisch. Ist aber nicht weiter schlimm. Wir sind nicht der erste Verein, dem es so ergeht, und wir sind garantiert nicht der Letzte dem es so ergangen sein wird.

Nur zur Erinnerung: Aus dem erhofften “Finale” gegen Zenit wird nichts, da wir schon 4 Punkte Rückstand haben.

Wenn wir also unsere Chance in einem Spiel nutzen wollen, muss dies im Drachenstadion zu Porto geschehen. Blöderweise muss man aber auch das 1:0 aus dem Hinspiel aufholen, da bei Punktegleichheit das direkte Duell entscheidet. Ein 1:0 reicht also mit Sicherheit nicht, da ansonsten das Torverhältnis herangezogen wird. Gewissermaßen ein Auswärtspflichtsieg gegen ein Topf 1 Team…

Erwartungshaltung? Lernen und Genießen

Hoffe ich, dass wir den dritten Platz erreichen? Natürlich, ich erhoffe mir sogar den zweiten Gruppenplatz.

Aber ich erHOFFE mir das, ich erwarte es nicht und schon gar nicht werde ich irgendjemanden einen etwaigen “Misserfolg” ankreiden.

Unser europäisches Ziel für diese Saison war die Europaleauge. Das haben wir mit dem Aufstieg gegen Hafnafjördur erreicht.

Dann wollte man in die CL. Auch das ist gelungen.

Die Burschen haben auch in der Gruppenphase meine Erwartungen übertroffen, war ich doch überzeugt davon, dass wir dem Nullerclub beitreten würden.

Die Mannschaft soll lernen…und mitnehmen was geht. Vielleicht ist es noch ein Punkt, oder es sind 2, 3 oder 6. Oder keiner.

Überraschend wäre auch das nicht, darf man doch nicht vergessen, dass wir drei Teams aus den Top 20 des europäischen Fußballs zugelost bekommen haben. Aus Topf 2 (Atletico) und Topf 3 (Zenit) sogar jeweils das best Gesetzte.

Diese Einstellung wird oftmals als kleingeistig, österreichisch oder ähnliches bezeichnet. Ich nenne es Realismus. Dazu schaue ich die CL zu lange, um davon überrascht oder gar enttäuscht zu sein.

Die Königsklasse wird für kleine Vereine immer ein Abenteuer bleiben, solange sich die Strukturen nicht nachhaltig ändern.

Unser Ziel sollte meiner Ansicht darin liegen, dass wir, ähnlich wie Salzburg, das Überstehen der EL Gruppe als, realistisches, Ziel ausgeben können, denn es kann auf die Dauer tatsächlich nicht unser Anspruch sein “nur” eine (EL-) Gruppenphase zu erreichen. Trotzdem soll man sich hohe, aber erreichbare Ziele setzen. Alles andere wäre schlicht unseriös und größenwahnsinnig.

Wenn uns unser Abstecher in die Top 32 des europäischen Klubfußballs bei dem mittelfristigen Ziel helfen kann, sei es sportlich, finanziell oder einfach nur mentalitätstechnisch, dann haben wir alles erreicht.

Hinweis: Original des Beitragsbildes von http://www.austria80.at (© Fritz Duras)

PAT

Über PAT

Über mich Jahrgang 89; Student; AB-SOL-UT sportbegeistert, dabei vor allem Fußball, Radsport, Tischtennis sowie der alpine Schilauf (jeweils aktiv und passiv) sowie Eishockey (als 2. Leidenschaft des Fanlebens), Curling und Snooker und Tennis und Handball und und und als Zuseher. Zudem süchtig nach musikalischer Dauerbeschallung von Ambros bis Queen. Warum die Austria Um ehrlich zu sein, wurde ich mangels brauchbarer Alternativen auf Grund erblicher Vorbelastung zum Veilchen in nunmehr 3. Generation. Und weil die Farbe so schön ist.

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