Zahlen, bitte!


Ich begeistere mich seit der Saison 1985/1986 für Fußball und ungefähr seit derselben Zeit auch für den FK Austria Wien. Mit 4–5 Jahren interessierte mich damals vor allem eine Zahl, die Platzierung in der Abschlusstabelle, aber schon bald begann ich mich auch für andere Zahlen zu begeistern.

Und es wurden immer mehr. 

Irgendwann waren es dann auch die Finanzkennzahlen. Und wer wie ich zunächst den Ausgleich der Rapid AG miterleben durfte, dann die schwierigen Prä-Stronach-Jahre der Austria und in weiterer Folge die Jahre der Serienkonkursmeister aus Tirol und Graz, bei dem entsteht eine besondere Beziehung zu den wirtschaftlichen Zahlen unserer Fußballvereine.  

Nachdem in Zeiten von UEFA-Koeffizienten, Nations League und Europa League II etc. von jedem Fußballfan auch zumindest ein Hobby-Titel in Mathematik verlangt wird, um einer Auslosung der diversen Bewerbe halbwegs folgen zu können, wird auch der folgende Artikel kein Problem für den interessierten Leser darstellen. 

Aber Stopp. So transparent wie die UEFA-Fünfjahreswertung oder die FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste sind unsere heimischen Vereine noch lange nicht. Vieles muss man zusammensuchen, zusammenrechnen und manches Mal auch einfach annehmen bzw. interpretieren. 

So veröffentlichen (seit vergangenen Freitag) gerade einmal drei Bundesligisten einen umfangreichen Geschäftsbericht für ihre „Konzerne“ (ja, das nennt man so):

  • SK Rapid (seit 2011)
  • SK Sturm (mehr oder weniger seit 2016)
  • FK Austria (seit 2018)

Daneben besteht die Möglichkeit, eine Firmenbuchabfrage der Einzelabschlüsse der seit Kurzem ausgegliederten Gesellschaften für den Profibetrieb zu machen oder auf die auf den diversen Vereinshomepages bzw. vom Kreditschutzverband publizierten Eckdaten zurückzugreifen. 

Im Unterschied dazu veröffentlicht beispielsweise der Schweizer FC Basel bereits seit 2005 jährlich einen Geschäftsbericht – ein Club, der nicht nur sportlich als die Benchmark für Vereine aus „mittelstarken“ Ligen angesehen werden kann. 

Deshalb werden im folgenden Teil die drei oben genannten transparenten Vereine mit dem FC Basel verglichen, und auch – soweit möglich – mit Red Bull Salzburg, weil man um die Bullen im aktuellen Fußball in Österreich nicht herumkommt. 

Der Output

Die Saison 2005/2006 bietet sich – als Zäsur im österreichischen Fußball – an, weshalb wir genau dort beginnen. Stronach verkündete mehr oder weniger seinen Abschied auf Raten und Didi Mateschitz trat auf den Plan. 

National führte das zu folgender Entwicklung im Vergleich mit dem FC Basel:

Und international zu dieser:

Ich möchte an dieser Stelle nicht unbedingt erwähnen, dass unsere heimischen Vereine die Punkte für die Fünfjahreswertung im Unterschied zum FC Basel tendenziell eher in der Europa Leauge gemacht haben.

Sehr wohl erwähnen möchte ich, dass uns demnächst eine weitere Zäsur ins Haus steht – nämlich im Frühjahr 2019 –, wenn der FC Salzburg den FC Basel als höchstplatzierten Verein aus einer Nicht-Top-10-Liga Europas im UEFA Club Ranking ablöst (Anm.: Die niederländische Liga ist für mich noch immer eine der Top 10 Ligen). 

Der Input

Wie eingangs erwähnt müssen Annahmen getroffen werden. Ich nehme einmal an, dass Fußballvereine im Großen und Ganzen Non-Profit-Unternehmen sind und dass das, was reinkommt, auch wieder rausgeht. 

Natürlich ist das nicht ganz stimmig. So wird beispielsweise in den ersten veröffentlichten Kennzahlen des KSV für 2006/2007 für RB Salbzurg ein negatives Eigenkapital von knapp 11 Millionen ausgewiesen, per 30.06.2018 ein positivies Eigenkapital von über 20 Millionen. Bei Erlösen von kumuliert 772 Millionen in 11 Jahren spielen diese 31 Millionen aber eher eine untergeordnete Rolle aus Sicht des Autors: 

Hier auch die Entwicklung von der Saison 2006/2007 bis zur Saison 2017/2018:

Zusammenfassend könnte man höflich formulieren, dass der österreichische Serienmeister bei vergleichbarem Mitteleinsatz in etwa so erfolgreich ist wie jener aus der Schweiz – aber eher in der Europa League als in der Champions League. Der Rest der österreichsichen Big 4 spielt auch gelegentlich mit. 

Weitere Details – FCB vs. RBS

Den Geschäftsberichten des FC Basel ist eine detailierte Aufschlüsselung der Erlöse zu entnehmen: 

Bei RB Salzburg ist das wesentlich intransparenter, mit Ausnahme des Einzelabschlusses der RB Salzburg GmbH von 2016/2017 muss auf die Kennzahlen des Kreditschutz-verbandes zurückgegriffen werden:

Der eigenständige Verein aus Liefering, der 2017/2018 auf einen Jahresumsatz von knapp 20 Millionen gekommen ist – und damit mehr als beispielsweise Sturm Graz –, macht die Sache nicht unbedingt einfacher. 

Vermutlich werden die Sponsorleistungen jene des FC Basel bei Weitem übersteigen, während die Spieltagseinnahmen oder jene für Übertragungsrechte (CH: Verbands-einnahmen) unter jenen der Schweizer liegen. Hinsichtlich der Transfererlöse wird sich der österreichische Serienmeister wohl nicht mehr hinter seinem Schweizer Pendant verstecken müssen. 

Weitere Details – SCR vs. FAK

Mehr Zahlen als aus Salzburg gibt es aus Wien. Rapid veröffentlicht Zahlen ab der Saison 2010/2011, bei der Austria sind Zahlen seit Gründung der FK Austria Wien AG mit 21.12.2007 verfügbar:

Tendenziell geht das Wiener Finanzderby im Moment eher an die Hüttleldorfer, an dieser Stelle sei aber auf die ausführlichen Geschäftsberichte der beiden Vereine verwiesen. 

Weitere Details – SK Sturm

Die Blackies veröffentlichen seit 2016 Geschäftsberichte und haben für ihren ersten Geschäftsbericht auch einen Award gewonnen. Leider ist dieser nicht auf deren Homepage verfügbar – ich hoffe dennoch, bald ein gebundenes Exemplar in Händen zu halten, um die Tabelle entsprechend zu ergänzen: 

Auch hier ist die Gliederung etwas anders als bei den Wiener Vereinen oder beim FC Basel, so sind die TV-Einnahmen bzw. die Übertragungsrechte im Geschäftsbericht nicht gesondert ausgewiesen. 

Zum Abschluss

Ich habe bewusst vieles vom vorhandenen Zahlenmaterial unkommentiert stehen lassen. Wie eingangs erwähnt denke ich, dass man als Fan das Recht hat, genauestens über die wirtschaftliche Lage seines Herzensvereins informiert zu sein und dass diese für Transparenz zu sorgen haben. Das mag vielleicht im Moment bei RB Salzburg weniger ein Problem sein, Wiener oder Grazer Vereine tendieren dann aber auch gerne mal dazu – wie viele andere Vereine in Österreich – an ihre finanziellen Grenzen zu gehen. 

Ganz zum Schluss

Allen, die immer noch nicht genug von Zahlen haben, kann ich auch folgende Links an Herz legen (vielleicht findet ihr einen Fehler – hier oder anderswo –, alle Angaben sind selbstverständlich ohne Gewähr):

https://www.fcb.ch/de-CH/Club/Dokumente

https://www.oenb.at/zinssaetzewechselkurse/zinssaetzewechselkurse

https://derstandard.at/1226396872099/Vom-Wandeln-auf-schmalem-Grat

https://derstandard.at/1319183268509/Bundesligisten-bilanzierten-positiv

https://www.90minuten.at/de/red/magazin/bundesliga-finanzreport/news-archiv/2013/finanzlupe-tipp3-bundesliga–4-jahres-check/

https://www.90minuten.at/de/red/magazin/bundesliga-finanzreport/news-archiv/2013/bundesliga-finanzreport-tipp3-bundesliga–rapid—-erwirtschaftet–minus-von-3-3-mio–euro/

https://www.90minuten.at/de/magazin/bundesliga-finanzreport/

https://www.90minuten.at/de/red/magazin/bundesliga-finanzreport/news-archiv/2014/sturm-graz-und-wiener-neustadt-verzeichnen-millionen-verlust/

https://www.90minuten.at/de/red/magazin/bundesliga-finanzreport/news-archiv/2014/37-38-mio–euro–rekord-umsatz-im-cl-jahr-fuer-austria-wien/

https://www.90minuten.at/de/red/magazin/bundesliga-finanzreport/news-archiv/2015/ried-und-admira-in-den-roten-zahlen/

https://www.90minuten.at/de/red/magazin/bundesliga-finanzreport/news-archiv/2015/sturm-graz-und-wiener-neustadt-schreiben-rote-zahlen/

https://www.90minuten.at/de/red/magazin/bundesliga-finanzreport/news-archiv/2016/red-bull-salzburg-erstmals-mit-kraeftigem-minus-in-der-bilanz/

https://www.90minuten.at/de/red/magazin/bundesliga-finanzreport/2017/q4/bundesliga–nur-ein-verein-schreibt-rote-zahlen/

https://www.90minuten.at/de/red/magazin/bundesliga-finanzreport/2018/q4/erneuter-millionengewinn-fuer-rapid/

https://www.90minuten.at/de/red/magazin/bundesliga-finanzreport/2018/q4/sturm-graz-steigert-umsatz-auf-knapp-19-mio–euro/

http://www.fk-austria.at/de/n/news/2018/11/frank-hensel-wurde-zum-neuen-praesidenten-gewaehlt/

https://www.90minuten.at/de/redaktion/magazin/bundesliga-finanzlupe/2018/finanz-check–zwei-bundesliga-vereine-schreiben-rote-zahlen–2-/

https://kurier.at/sport/fussball/abgerechnet-die-fast-geheimen-bundesliga-zahlen/400341478

https://www.skrapid.at/de/startseite/verein/sk-rapid-gmbh/geschaeftsbericht/

https://www.sksturm.at/de/klub/sportklub/sturmreport/

https://kassiesa.home.xs4all.nl/bert/uefa/index.html

http://www.fk-austria.at/de/n/news/2018/12/pressekonferenz-live–geschaeftsbericht—mattersburg/

http://www.fk-austria.at/de/n/news/2018/12/praesentation-des-geschaeftsberichts-2017-18/

http://www.fk-austria.at/de/n/newsarchiv/2007/die-generalversammlung-der-wiener-austria-am-montag-abend-im-rathaus–mit—/

Hinweis: Original des Beitragsbildes von fk-austria.at

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Über MMMasi

Über mich: Jahrgang 81; Heimat Osttribüne, Kategorie D Hool (nervt alle von der 1. bis zur 4. Hälfte - im Stadion und im verfickten Internet) mit den Hobbies Rauchen, Trinken (v.a. Ottakringer & Red Bull) und Fußball – aber auch Familienmensch, engagiert, loyal & hilfsbereit. Warum die Austria. Austria siegt durch Witz, Spielkultur und Intelligenz, steht für schönen Fußball auf technisch höchstem Niveau. Austria Fans überzeugen durch Klasse anstatt durch Masse, sind selten einer Meinung, können über alles raunzen und sind wunderbar vielfältig.

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