Wie hört des auf, wie wird des weitergehen?

Der Optimismus schwindet. Das Urvertrauen, dass sich alles irgendwie fügen wird. Langsam, aber stetig. Dass es sich lohnt geduldig zu warten, bis sich (große) Erfolge einstellen. Dass diese in gewisser Weise planbar sind. Die letzten Bastionen der Zuversicht drohen zu fallen oder sind es bereits.

Zwei Beiträge aus diesem Blog sind der Anlass, weswegen ich mich hingesetzt habe um diese Zeilen zu verfassen. Noch vor ein paar Wochen – etwas mehr als 2 Monate ist es her –, schrieb ich an gleicher Stelle, dass für die Austria noch alles möglich sei. Meistertitel? Wieso eigentlich nicht? Cupsieg? Aber ja. Über die Bullen kommen wir schon drüber. Irgendwie. Nun, es kam anders.

Der zweite Beitrag ist nicht einmal eine Woche alt. Ein Freund, der grundsätzlich vom ungünstigsten Szenario ausgeht, zeichnet in seinem Beitrag eine triste Zukunftsperspektive.

Und gerne würde ich in einem flammenden Plädoyer entgegenhalten, dass seine Sorgen weitestgehend unbegründet sind. Einzig: Ich kann es nicht. Was kann uns Hoffnung für die Zukunft geben? Zwei Jahre müssen in einer seelenlosen Betonschüssel verbracht werden. Schlagerspiele im Februar gegen Wolfsberg vor 5381 Zusehern. Die Freude ist grenzenlos. Aber unser Problem ist nicht die mittelbare Zukunft, sondern die unmittelbare Gegenwart. Bevor wir uns ansehen, was die Zukunft für uns parat hält, ist es dringend notwendig den Status Quo zu beobachten.

Nicht nur, dass in den letzten Jahren viel Porzellan zerschlagen wurde und die Aufräumarbeiten langsam vonstattengehen. Schlimmer. Es wurde erneut Porzellan zerschlagen. Innerhalb einer Saison. Zur Erinnerung: Wir waren Herbstmeister, also nach 18 Runden alleiniger Tabellenführer. Was seither geschah spottet jeder Beschreibung. In 13 Spielen gelangen uns lediglich 3 Siege und 3 Unentschieden. 7 Mal wurde verloren (!). Diese Tendenz ist mehr als besorgniserregend und es steht zu befürchten, dass ein Vorsprung von ehemals 10 Punkten auf den 4. der Tabelle verspielt wird. Dass es nochmals dermaßen eng werden würde (und es Stand heute gute Gründe für die Annahme gibt, dass die Mannschaft das angepeilte Ziel verfehlen wird), hätte ich mir nicht vorstellen können. Nicht weil wir so überragend waren, aber weil die Konkurrenz um diesen für die Teilnahme am Europacup berechtigenden Endrang weit entfernt davon war, eine ernsthafte Gefahr für uns darzustellen. Nun, es kam anders.

Die letzten 4 Pflichtspiele wurden verloren! Insgesamt gab es in der Meisterschaft bereits 10 Niederlagen.

Man braucht nichts beschönigen. Diese Zahlen sind alarmierend. Was es für den Verein bedeuten würde, die EC-Quali zu verpassen, kann man, wie bereits erwähnt im Blog über die Demut nachlesen. Eine andere spannende Frage allerdings lautet:

Was würde ein erneutes Scheitern für uns Fans bedeuten?

Gut, ich kann da in erster Linie nur über meine Person berichten. Und mit Abstrichen über den Bruder, der – auch aus beruflichen Gründen – die Frage ob nächstes Jahr das Abo gelöst wird, vom Saisonfinale und dessen Ausgang abhängig macht.

Der Umstand Fußballfan zu sein ist längst zur Routine geworden. Ich freue mich auf ein Heimspiel der Austria. Ja, natürlich. Ich freu mich aber auch auf ein Heimspiel des Floridsdorfer AC, bei dem ich ebenfalls eine Dauerkarte besitze. Aber mehr so aus Loyalität zum Verein meines Bezirks, als wirklich auf Fantum basierend. Dass zwischen einem Freitagabendtermin in der Ersten Liga und einem Date mit meiner Austria kaum mehr ein emotionaler Unterschied besteht, beunruhigt mich dann doch. Früher, ja früher: Ich hatte Spaß am Fußball, Spaß an der Mannschaft. Spiele wurden gewonnen und ich war glücklich, Spiele wurden verloren und ich war traurig, oder zornig – je nachdem. So wie das eben ist. Aber die Aussicht aufs Heimspiel am Samstag, machte die Pflichten unter der Woche erträglicher.

Und jetzt sind wir hier.

Der Fußball, den unsere Austria über weite Strecken anbietet sorgt für emotionsloses Zur-Kenntnis-Nehmen des Resultates. Ein Sieg – ganz nett. Eine Niederlage – Jo, wenn ma so spün, a ka Wunder. Trauer? Zorn? Fehlanzeige. Emotionslosigkeit. Ratlosigkeit.

Eine weitere Saison ohne europäischem Bewerb steht im Raum. Bitte nicht. Auch wenn das Abenteuer Europacup nach einer Runde, oder zwei auch schon wieder vorbei sein kann, ist es doch das Salz in der Suppe. Ich will im August nicht St. Pölten oder der Admira die Daumen drücken müssen, in der Gewissheit, dass sich meine Equipe in aller Seelenruhe auf den Wochendkracher gegen Ried vorbereiten kann. Konferenzschaltungen im ORF, die spezielle Freude über dieses Auswärtstor und der der gespannte Blick auf den Ticker wenn Runde 2 der KO-Duelle ausgelost wird. Wie gesagt. Mitunter ein kurzes Vergnügen, aber eines, dass ich nicht schon wieder versäumen will.

Zwei Dinge stoßen mir sauer auf. Diese zu beheben geht wohl nicht von heute auf morgen. Zum einen wäre da einmal die Spielweise. Unattraktiv (auch im Erfolgsfall) bis zum gehtnichtmehr, und noch dazu viel zu selten erfolgreich. Auch unter Berücksichtigung aller Überlegungen, wonach ein Trainer schützend vor seiner Mannschaft steht, gilt. So oft ich heuer schon das Wort „hervorragend“ vernommen habe, sehe ich mich allmählich im falschen Film. Ich persönlich halte Fink für einen guten Mann, der mit seinem Trainerteam Impulse zur Verbesserung und Professionalisierung der Trainingssteuerung gesetzt hat. Fairerweise muss ich dazu sagen, dass ich davon keine Ahnung habe und die Trainingsmethoden seiner Vorgänger genauso wenig im Detail kenne, wie seine. Gerüchte wonach Thorsten Fink in der Saison 2016/17 nicht mehr Cheftrainer beim FK Austria Wien sein wird, wurden schon vernommen. Wie sehr man diesen trauen darf, bleibt dahin gestellt. Die Vorstellung erfüllt mich mit großem Unbehagen. Nicht, weil Fink so tolle Resultate liefert. Wenns nach denen ginge, müsst er so angezählt sein, wie zahlreiche Trainer vor ihm. Wenn es irgendetwas Positives an der momentanen Situation gibt, dann doch wenigstens, dass es keine Trainerdiskussion gibt. Wie sähe denn die Alternative aus? Es kann doch nicht immer nur am Trainer liegen. Auch ob der Trainer mit seiner Spielweise wirklich die Stärken der eingesetzten Spieler hervorstreicht, sollen doch bitte die Leute beurteilen, die Ahnung von der Materie haben. In erster Linie also Zeitungsschmierfinken und Alleswisser in diversen sozialen Netzwerken.

Das zweite Problemfeld, neben der unattraktiven Spielweise, das zu einer emotionalen Abkapslung führt: Die Mannschaft. Genauer gesagt: Teile der Mannschaft. Da gibt es Spieler, die meine Austria nicht in geringster Weise repräsentieren. Dauersuderanten, diving cunts und Hunds- bzw. Badkicker wie sie im Buche stehen. Ich bin grundsätzlich ein loyaler Fan, suche auch bei Spielern, die mir nicht auf Anhieb arg sympathisch sind deren Qualitäten und Stärken, welche sie in die Mannschaft einbringen. Bei einigen komme ich allerdings vermehrt zum Schluss, dass ihnen die notwendige Qualität fehlt, um eine tragende Rolle in unserem Spiel einzunehmen. Das sind stets subjektive Empfindungen und ich will keine Namen nennen. Ich nenne Spieler ABC, ein anderer würde aus seiner Sicht stichhaltig die Spieler XYZ entgegenhalten. Nur so viel: 3 gelbe Karten für Schwalben innerhalb eines Spiels – auch wenn nicht jede davon eindeutig war – sind zu viel. Leider sind diese Täuschungsversuche bei einigen integraler Bestandteil ihrer Spielweise. Selbst ein Acimovic hatte hin und wieder einen gut gemeinten Rat für den Schiedsrichter parat oder hat versucht durch geschicktes zu Boden gehen den Referee davon zu überzeugen, dass das jetzt bitte ein böses Foul gewesen sei, das ist ja gar nicht das Thema, aber verdammt noch einmal: Konzentriert euch aufs Fußballspielen. Das ist eure ureigenste Aufgabe und sonst gar nichts! Beim Milenko sind wenigstens auf eine Schwalbe drei Zuckeraktionen gekommen.

Das sind Dinge, die unsere Leute beeinflussen können. Es gibt genug Dinge, die mich auch stören, die aber so hingenommen werden müssen. Leere Stadien z.B. Oder der Umstand, dass das was bei uns Schiedsrichterei genannt wird, anderswo unter die Kategorie „Betreutes Pfeifen“ fallen würde.

Es droht also mal wieder eine EC-lose Saison. Schlimmer als der Verzicht auf diese punktuelle (u. U. kurze) Vorfreude auf den donnerstägigen Vorabend, wäre die Demütigung und die Schmach, diesen Verzicht zum wiederholten Male auf sportliche Weise realisiert zu haben. Erkennen zu müssen, dass man es erneut nicht geschafft hat in einer schwachen Liga zum oberen Drittel zu gehören. Was früher noch „einmaliger Ausrutscher“ genannt wurde, droht zum violetten Normalzustand zu werden. Das ist dann aber nicht mehr meine Austria. Launenhaft – ja. Sportlich im Niemandsland – nein. Was bleibt also übrig für die Zukunft? Es gab Umbrüche im Trainerteam, es gab Umbrüche im Kader. Wenn Konstanz also einer der wichtigsten Faktoren für eine erfolgreiche sportliche Zukunft ist, dann hoffe ich, dass Wohlfahrt/ Fink eine vernünftige, kluge und realisierbare Kaderpolitik betreiben, dass punktuell verstärkt wird und dass im nächsten Jahr dann alles besser wird. Fußballerisch und tabellarisch. Wie gesagt: Ich erhoffe es, erwarten tu ich es nicht.

Weit haben wir es gebracht.

Hinweis: Original des Beitragsbildes von www.salzburg.com

Mi.Re.

Über Mi.Re.

Floridsdorfer seit 1989, Zivildienst und Studium hinter sich gebracht. Erfreut sich an Sportveranstaltungen im TV und live vor Ort. Steht auf österreichische Musik. Familien- und Freundschaftsmensch, mittlerweile überzeugter Nordtribünler. Fußball ist weder Lebensinhalt noch Raketenwissenschaft, aber immerhin ein netter Zeitvertreib. Austrianer in dritter Generation. Verliebt in den daxbacher’schen Kurzpass- und Offensivkick. Erwartet von seinen Veilchen schön anzusehendes Fußballspiel und Spielfreude. Will eher keine Zehnkämpfer in Violett geigen sehen. Sympathien auch für das Nationalteam und den Floridsdorfer AC vorhanden.