Was man von unseren Veilchen heuer noch erwarten darf

Gerade einmal eine Woche alt ist die Rückrunde der aktuellen Saison. Drei (Pflicht-)spiele wurden absolviert, zwei Siege wurden eingefahren, einmal musste man als Verlierer den grünen Rasen verlassen. Schmerzlich freilich ist der Umstand, dass es ausgerechnet gegen Rapid Wien eine kalte Dusche gab. Nach den ersten drei Pflichtspielen im Jahr 2016 haben übrigens auch die Konkurrenten um die Meisterschaft zwei Siege und eine Niederlage zu Buche stehen. Lassen sich zum jetzigen Zeitpunkt schon Tendenzen ablesen? Ist die Austria nach der Derbyklatsche aus dem Titelrennen raus? War sie am Ende gar nie wirklich involviert? Oder können wir am Ende doch den ganz großen Coup landen?

Ein kurzer Rückblick – Wer nach 18 Runden ganz oben steht kann dies auch nach 36 Runden, oder nicht?

Groß war sie, die Euphorie, in der Fischhofgasse an diesem 2. Dezember 2015. In der 18. Runde der Meisterschaft konnte ein 0:1 Rückstand gegen die Schwarz-Weißen aus Graz in einen umkämpften und umjubelten 2:1 Heimsieg umgewandelt werden. Nicht nur, dass man zwischen sich und den Grazern einen komfortablen Polster von zehn Punkten schaffen konnte, und somit der für das zu erreichende Saisonziel dritte Platz mehr als abgesichert war; dank einer Punkteteilung der Salzburger gegen Wolfsberg und einer Niederlage Rapids in Maria Enzersdorf bei der Admira stand man auf einmal als Tabellenführer und Herbstmeister im Fokus des Geschehens.
„Momentaufnahme“ tönte es aus dem violetten Lager unisono. Aber stimmt das? Ist eine komplett absolvierte Hinrunde noch eine Momentaufnahme?
Auch auf Grund der enttäuschenden Resultate, die in weiterer Folge treue Wegbegleiter in die Winterpause gewesen sind (zwei bittere Niederlagen – gegen Wolfsberg und Altach – galt es zu verdauen) kehrte rasch wieder Ernüchterung in Favoriten ein. Interessant wäre es durchaus geworden, wären wir als Erster ins neue Fußballjahr gerutscht. So allerdings gab es für die Verantwortlichen im sportlichen Zweig des Vereins keinen Grund die Ziele nach oben zu revidieren. (Schlechtesten Falls) der dritte Platz soll es also werden.

Es folgen: Die Ansichten ein und desselben Fans.

„Im Leben geht si der Titel heuer ned aus!“ – Platz 3: Go for it

Lassen wir die Kirche im Dorf. Was wir seit Saisonbeginn zu sehen bekommen ist ergebnisorientierter Minimalistenkick. Der Matchplan sieht in erster Linie vor den Ball in den eigenen Reihen zu halten um dann im entscheidenden Moment einen Angriff lancieren zu können. Spitze wie oft das bisher funktioniert hat. Einziger Nachteil dieser Strategie: Zuweilen wurde nicht nur der Gegner eingeschläfert sondern auch das zahlende Publikum. Das M-Wort in den Mund zu nehmen verbietet sich auf Grund mehrerer Umstände. Da wären einerseits die rationalen, die jedes Veilchen auszeichnen:
Aus der ‚Rue de la Gack‘ zur Wiener Prachtstraße Ring mit Ziel Rathausplatz innerhalb eines Jahres ist ein Ding der Unmöglichkeit. Wenn es gelingt, dann ist das eine ‚Once in a Lifetime Experience‘ und das Jahr 2013 ist uns in nur allzu guter Erinnerung. Wunder geschehen, aber im 3-Jahres-Rhythmus? Nun, wetten würde ich darauf nicht. Nein, es ist einfach zu früh, zu unkonstant agiert man, um auch nur einen Gedanken an den großen Wurf zu verschwenden. Übermütig sind sie, die nach zwei gewonnenen Partien in Folge vom Titel schwadronieren.
Mal ehrlich: Unsere Performance nach der Winterpause lässt, ergebnisunabhängig, zu wünschen übrig. Die große Steigerung im spielerischen Bereich blieb leider aus. Grödig wurde niedergekämpft, Glück hatte man als ein Vergehen von Koch nicht zum fälligen Elfmeterpfiff führte und in der Nachspielzeit, als Ex-Veilchen Grubeck den Ausgleich auf dem Kopf hatte und diesen nur denkbar knapp vergab.
Die Begegnung im Cup gegen den LASK fiel deutlich enger aus, als es jedem Veilchen lieb sein könnte. Nicht die spielerisch überzeugendere Mannschaft sicherte sich das Semifinalticket, sondern jene, die im Wesentlichen aus einer Chance ein Tor gemacht hat. „A Mannschaft, die a bissel koitschnäuziger is, schenkt uns mindestens drei Türln ein“, vernahm ich nach dem Spiel. Tja, der Experte in meinem Umfeld sollte Recht behalten…
Rapid ist eingespielter, Salzburg in finanzieller Hinsicht um das Alzerl potenter, als wir es sind. Allein schon diese Vorteile werden mit großer Wahrscheinlichkeit dazu führen, am Ende der Saison mit dem (hoffentlich) erreichten EC-Startplatz über die Meisterschaft zufrieden sein zu müssen.
Neben den eben ausgeführten rationalen Argumenten sprechen auch ästhetische Gründe gegen einen violetten Meister: Ernsthaft, war das Dargebotene auch nur in einer einzigen Phase meisterwürdig? Würden wir unseren Enkelkindern gern vom Meisterjahr 2016 vorschwärmen indem wir auf legendenumwobene Partien gegen Wolfsberg und Grödig referieren, in denen jeweils ein Kopftor nach getretener Ecke die Partie zu unseren Gunsten entschied? Also abgesehen davon, dass uns unsympathischere Szenarien einfallen würden: Denkwürdig sind bisher nur die Klatschen gegen Rapid verlaufen. Es ist eine klassische Umbruchsaison nach zwei sehr verkorksten Jahren. Für dass, das uns die Vereinslegende und Interimscoach Andreas Ogris auf den siebten Rang dirigiert hat, schlagen wir uns achtbar. Auch kleine Brötchen können schmackhaft sein. Die Saison am Ende als Dritter beenden: Gut. Vizemeister (hinter Salzburg): Hervorragend. Mehr ist nicht drinnen.

„Wieso sollten wir uns vor den Grünen und den Mozartstädtern anscheißen?“ Burschen, ich glaub an euch!

Halts Maul, du ratiogetriebener Wicht. Irgendeinen Grund muss es geben, dass man nach 18 Runden an erster Stelle liegt, und nach 22 lediglich 2 Punkte hinter den Titelaspiranten Salzburg und Rapid. Im Fußballuniversum könnte folgender durchaus seine Berechtigung haben: „De san um nichts besser als wir, mia san um nichts schlechter ois de“. Ja, so eine Derbyniederlage tut weh, sie schmerzt emotional und sie ist tabellarisch ungünstig, aber sie sollte Realitäten nicht verrücken. Rapid scheitert im Cup an einer biederen 1b- Admira, Salzburg unterliegt beim Abstiegskandidaten Ried. Wenns mir schon immer mit „Momentaufnahme“ kommts, dann bitte auch im Moment der Niederlage. Wer weiß wie die Tabelle Mitte März oder Anfang April aussehen wird? Gewinnt die Austria am Wochenende gegen Mattersburg (was zumindest denkbar ist) lässt sich die Sonntagspartie Sturm-Rapid bei jedweden Ausgang feiern. Und dann geht’s eh schon nach Salzburg. In zwei bisherigen Saisonduellen haben sich unsere Veilchen mit Sicherheit nicht als die schwächere Mannschaft präsentiert. In Salzburg wurde gleich zweimal eine Riesenchance ausgelassen eine Zweitoreführung zu bewerkstelligen, ehe man sich durch einen Platzverweis geschwächt mit einem Remis zufrieden geben musste.
In absehbarer Zeit kehrt mit Teamtormann Robert Almer eine Größe in die Mannschaft zurück, die der Defensive zu Beginn der Saison (von vereinzelten Ausnahmen abgesehen) allein schon qua Existenz eine Stabilität ungeahnten Ausmaßes verliehen hat. Kein Mensch kann den Meisterteller für Violett verlangen, aber aufgegeben wird ein Brief. Man muss nicht die beste Mannschaft aller Zeiten sein um Meister zu werden. Man muss nur besser sein als die Konkurrenz. Ich darf zart eine Serie von neun ungeschlagenen Spielen in Folge aus dem Herbst in Erinnerung rufen. Gut, es waren zwei Cupsiege gegen unterklassige Teams dabei. Aber in den sieben Meisterschaftsrunden gab es fünf Siege (darunter ein Derbysieg) sowie ein Remis (gegen Salzburg) zu bejubeln und lediglich ein Unentschieden zu verkraften, bei dem der Ausgleich der Admira erst in der Nachspielzeit fiel.
Wenn die Ergebnisorientierung als Grund aufgezählt wird, warum kein Titel zu erwarten ist, dann sei es aber auch an dieser Stelle erwähnt. Die knappen Siege mit einem Tor Unterschied hat uns niemand geschenkt. Die Mannschaft hat dafür gearbeitet und wurde belohnt. Es stimmt schon. Spielerisch werden wir keine Bäume mehr ausreißen. Aber der Fußball bietet auch mehr. Spiele können auch auf andere Weise gewonnen werden. Ich traue meiner Mannschaft in jeder Partie grundsätzlich alles zu. Allen voran die bisherigen Partien gegen Salzburg machen mir Mut. Wir steigern uns mit der Aufgabe und wenn man schon Partien in Grödig oder gegen den LASK gewinnt, in denen man nicht gut spielt, dann werden auch wieder Siege folgen, bei denen es nichts oder nur wenig auszusetzen geben wird.
Völlig duttl, ob am Ende eine realistische Meisterchance besteht. Die aktuelle Tabellensituation verbietet es die Flinte ins Korn zu schmeißen.
Don’t stop believing!

Und dann haben wir noch eine andere Rechnung offen

„Horrorlos“, „Schod, des woars jetzan“ und ähnlich klingende pessimistische Äußerungen wird jeder von uns, wenn schon nicht getätigt, dann zumindest vernommen haben.
Ja, Red Bull Salzburg auswärts ist kein angenehmes Los. Aber auch kein unmögliches. Für uns gilt: Will man Cupsieger werden, muss u.a. Salzburg geschlagen werden. Die vier Semifinalisten haben auch schon vor der Auslosung nichts anderes erwarten lassen. Klar, es kann vorbei sein. Prognosen zum gegenwärtigen Zeitpunkt für eine Partie, die Mitte April stattfindet sind in beide Richtungen unseriös. Neben den oben zitierten auch jene wie: „Wann Salzburg so spüt, wies jetzt drauf san, brauch ma uns ned fürchten“.
Also erstens: Fürchten muss man sich im nationalen Kick schon einmal vor gar keinem Gegner. (Genausowenig, wie sich der LASK vor uns ins Hoserl gemacht hat, wozu auch?). Und wie bereits dargelegt präsentierte sich die Austria (zumindest im ersten Aufeinandertreffen) im Dosenstadl als ebenbürtiger Gegner. Es reicht ein Blick in die jüngste Vergangenheit. Eine von Krisen und Tiefschlägen gebeutelte Austria konnte im Cupfinale des vergangenen Jahres einer Salzburger Mannschaft, die in der kurz zuvor zu Ende gegangenen Meisterschaft satte 30 Punkte mehr erspielt hatte, Paroli bieten.
Und wenn das Gespann rund um Schiedsrichter Drachta beim Stand von 0:0 ein strafbares Handspiel im Salzburger Strafraum geahndet hätte, müsste man unter Umständen aus Salzburger Sicht von einer zu begleichenden Rechnung reden.

Und Leute: Auch Red Bull Salzburg hätte zwei andere Mannschaften ihrem tatsächlichem Los vorgezogen 😉

 

Hinweis: Original des Beitragsbildes von fk-austria.at

Mi.Re.

Über Mi.Re.

Floridsdorfer seit 1989, Zivildienst und Studium hinter sich gebracht. Erfreut sich an Sportveranstaltungen im TV und live vor Ort. Steht auf österreichische Musik. Familien- und Freundschaftsmensch, mittlerweile überzeugter Nordtribünler. Fußball ist weder Lebensinhalt noch Raketenwissenschaft, aber immerhin ein netter Zeitvertreib. Austrianer in dritter Generation. Verliebt in den daxbacher’schen Kurzpass- und Offensivkick. Erwartet von seinen Veilchen schön anzusehendes Fußballspiel und Spielfreude. Will eher keine Zehnkämpfer in Violett geigen sehen. Sympathien auch für das Nationalteam und den Floridsdorfer AC vorhanden.