Warum manchmal weniger wirklich mehr ist…

Fehlstart!

Anders kann man die Auftaktpartien gegen Grödig und Wolfsberg gar nicht interpretieren. Ohne den Cupsieg auf der Hohen Warte hätte man als Veilchen überhaupt keinen Grund zur Freude gehabt. Das Auftreten, vor allem in Kärnten, spottet jeder Beschreibung. Das Spiel selbst bedarf keiner Analyse. Ein erschreckend schwaches Kollektiv wurde durch noch schrecklichere Individualfehler unterstrichen. Doch darum soll es nicht gehen. Auch Namen werde ich keine nennen. Das wäre unfair und würde diesem Kommentar mehr Schärfe einbringen, als ich es wünsche.
Abseits vom Sportlichen stößt mir eine andere Sache momentan ziemlich sauer auf: Die Beschwichtigungen und Durchhalteparolen nach Debakeln und Niederlagen. Ich kann es nicht mehr hören, ich will es nicht mehr lesen. Die offizielle Homepage hält alle für Idioten wenn man unter Vastic nach einem unansehlichen Nudelkick im Derby bekundet:

„0:0 bedeutet nicht das Ende der Titelträume.“

Es ist blanker Hohn wenn nach der wohl miesesten Saisonleistung, im Saisonfinish der letzten Spielzeit, gegen Grödig erklärt wird, dass man

„den Fokus nun ganz auf das Finale gegen Sturm lenke.“

Vor allem wenn dann nichts dabei herausspringt. Einzig unter Stöger hatte man in der jüngeren Vergangenheit das Gefühl, dass den Rückschlägen wirklich ein Lernprozess folgte.

Was steckt dahinter?

Wieso fühlt sich der Verein, fühlen sich Spieler (etwa auf ihren Facebook- Seiten) bemüßigt, uns mantra-mäßig einzuhämmern, dass sie alles aufarbeiten und darob alles besser machen werden. Dass sie mit Leidenschaft und Einsatz alles tun zu suchen, um den Verein aus seinem Wellental zu bewegen? Verdammt noch einmal, das ist ihr Job, das ist Voraussetzung, dass sie mit ihrem Hobby Geld verdienen können! Ein Spieler hat nach dem 0:4 dieses Wochenende folgendes gepostet:

„Es gibt NICHTS zum schön reden und das wissen wir auch. Schon gegen Altach wollen wir uns so präsentieren wie es einer Austria würdig ist und wie Ihr es Euch verdient habt! Danke an alle die heute mit waren und an die, die auch in solchen Phasen sich zu der Farbe Violett bekennen.“

Himmelherrgottkruzifix!

Es ist uns doch in Wahrheit scheißegal was sie abliefern, wenn es darum geht, OB wir uns zu den Veilchen bekennen. Ich kenne keinen, der sich von der Mannschaft abwenden würde. (Ich kenne sehr wohl welche, die ggf. Spielen fern bleiben, aber das ist jedermanns gutes Recht.) Jeder von uns verbindet viel zu viel mit dem Verein, als dass uns noch irgendeine sportliche Schlappe vertreiben könnte. Wir haben 1:4-Niederlagen im Happel vor 8000 Menschen gesehen, die uns hauptsächlich der belgische „Al Bundy“ beschert hat (Zulte Waregem), und überwunden. Wir haben mitangesehen wie die Austria auf dem letzten Tabellenplatz ü-ber-win-tert hat. Und wir haben auch mitangesehen wie man am Vogelweidplatz das Hallenturnier als Schlusslicht beendet hat. (Ja sowas tut mir in dem Moment genauso weh, wie die anderen genannten Punkte.)
Und ich weiß, dass sich jeder im Verein den Arsch aufreißen wird, um uns wieder zu Erfolgen zu führen. Das brauche und will ich nicht jedes Mal vorgekaut bekommen. Sollte es gar anders sein möge derjenige seinen Spind oder Schreibtisch augenblicklich räumen.

„Steh grod und schau nach vurn…“

Ein Wort noch zu den unvermeidlichen Diskussionen im Umfeld: Keiner versagt gerne. Keinem mangelt es an Einstellung. Manchmal gelingt nichts. Spieler sollen natürlich nicht als Zeichen der Demut ihr

„Gehalt spenden oder sich überlegen, was es bedeutet das violette Dress anzuziehen.“

Der Spitzensport ist viel zu komplex um mit solchen Hülsen „analysiert“ zu werden. Es geht um gruppendynamische Prozesse. Es geht um Selbstvertrauen. Es geht aber auch um taktische Disziplin und körperliche Verfasstheit. Es geht um Automatismen. Die Austria wird jetzt sicherlich nicht noch 3-5 Spieler holen. Das wäre hirnrissig und dumm. Vielleicht hat das Management in der Kaderzusammenstellung erneut versagt. Vielleicht braucht das Team um Baumgartner aber genauso Zeit, wie es bei Karl Daxbacher der Fall war, ehe man mit einer Spielidee die Fans begeistern konnte. Bis man weiß, wohin der Weg geht, täte es aber vielen gut, Verantwortlichen und Fans, wenn man sich Wortspenden überlegt.

Denn manchmal ist weniger tatsächlich mehr.

PAT

Über PAT

Über mich Jahrgang 89; Student; AB-SOL-UT sportbegeistert, dabei vor allem Fußball, Radsport, Tischtennis sowie der alpine Schilauf (jeweils aktiv und passiv) sowie Eishockey (als 2. Leidenschaft des Fanlebens), Curling und Snooker und Tennis und Handball und und und als Zuseher. Zudem süchtig nach musikalischer Dauerbeschallung von Ambros bis Queen. Warum die Austria Um ehrlich zu sein, wurde ich mangels brauchbarer Alternativen auf Grund erblicher Vorbelastung zum Veilchen in nunmehr 3. Generation. Und weil die Farbe so schön ist.