Vom Umgang mit Niederlagen

Fußballspiele sind extrem frustrierende Ereignisse. Die Zahl der positiven Momente ist extrem beschränkt. Die meiste Zeit hadert der gemeine Fan mit vergebenen Chancen, Fehlentscheidungen des Unparteiischen oder Unzulänglichkeiten der eigenen Mannschaft. Gleichzeitig macht sich ein Gefühl der Ohnmacht breit. Die Möglichkeiten der Einflussnahme von den Rängen auf das Geschehen am Feld sind verschwindend gering. Im Unterschied dazu bestimmen Ausgang und Verlauf eines Spiels oft Stimmung und Wohlbefinden der kommenden Tage. Dazu kommt noch dass der Fußball extrem ungerecht ist. In kaum einer anderen Sportart kommt so oft der eigentlich schwächere Kontrahent zum Erfolg.

Dennoch fiebern Woche für Woche Millionen in den Stadien und vor den Fernsehern mit. Obwohl das Match und sein Ergebnis ganz nüchtern betrachtet keinerlei persönlichen Konsequenzen hat. Man stelle sich vor, der Chef fällt seinen Mitarbeitern nach einem gelungen Abschluss eines Kaufvertrages um den Hals – unter der Woche eher undenkbar, am Wochenende nach dem Siegestreffer durchaus möglich und sogar erwünscht. Für den Geschäftsabschluss gibt es vielleicht einen Bonus, das Tor – sofern man keine Sportwette abgeschlossen hat – wird einen nicht reicher machen. Das Geschäft hat man vielleicht monatelang durch harte Arbeit vorbereitet. Der Sieg der Lieblingsmannschaft wird einem ohne nennenswerte Anstrengung im passiven Zustand frei Haus geliefert – sofern man eine feuchtfröhliche Auswärtsfahrt über ein paar hundert Kilometer nicht als große Strapazen interpretiert.

Die relative Bedeutungslosigkeit, die Einfachheit und Unberechenbarkeit des Spiels, die damit verbundene Spannung, das Erleben von extremer Freude und Leidenschaft ohne Anstrengung, oder auch das Zusammengehörigkeitsgefühl durch die verbindenden Eigenschaften des Fußballs machen für viele den Reiz der Weltsportart Nummer eins aus, die dennoch eine Nebensache bleibt.

Die Intensität wie Fußballfans ihr Fandasein ausleben ist unterschiedlich. Manche geben sich damit zufrieden die entscheidenden Spiele vorm TV mitzuerleben andere wiederum richten ihren Alltag nach dem Spielplan der eigenen Mannschaft aus und lassen kaum einen Stadionbesuch aus, weder daheim noch auswärts. Viele vernetzen sich mit anderen Fans, sind Mitglieder eines Fanclubs, unterstützen lautstark ihre Mannschaft, gestalten aufwendige Choreografien usw., während sich andere darauf beschränken Beifall zu klatschen.

Allen gemein ist, sie identifizieren sich mit ihrer Mannschaft und wollen am Erfolg teilnehmen bzw. ihn zu einem eigenen machen.

 

Doch wie steht es mit den Verlierern?

Wer Gelegenheit hat im Sport, im Beruf oder im Privatleben Siegeserlebnisse zu finden, verschmerzt wohl eher die eine oder andere Niederlage mehr. Oftmals läuft die Kompensation des Frusts der ausbleibenden Anerkennung allerdings auf zwei Möglichkeiten hinaus:

  • Die Suche nach einem Schuldigen
  • Die Suche nach einem besiegbaren Gegner

Ein beliebter Schuldiger ist zum Beispiel der Schiedsrichter. Zielscheibe dieser Suche können aber auch das allgemein unbefriedigende Spiel der eigenen Mannschaft oder die Schwächen einzelner Spieler. Spieler, die im Falle des Sieges noch die „Helden“ waren, werden bei Niederlagen als „unwürdig das Trikot zu tragen“ verteufelt und „sind ihr Geld nicht wert“. Selbiges gilt auch für die Betreuer, den Cheftrainer oder den Sportdirektor bis hin zum Präsidenten.

Der Verlierer kann in der Regel seinen Aggressionstrieb nicht befriedigen. Die Lust am Siegen bleibt ihm verwehrt. Es kommt zu einem Aggressionsstau, der nach einem besiegbaren Gegner verlangt, daraus resultiert so manche Eskalation durch oder zwischen Fangruppen oder zwischen Fans und Sicherheitsorganen.

Auch verlieren will gelernt sein

Keiner verliert gerne, dennoch lautet ein bekanntes Zitat: „In der Niederlage zeigt sich wahre Größe“. Als Anhänger der Veilchen haben wir gerade wieder eine sehr gute Gelgenheit Größe zu beweisen. Nicht immer ist das uns allen in der Vergangenheit gleich gut gelungen.

Auch jetzt gilt, dass das Wichtigste im Moment ist Ruhe zu bewahren, nicht alles in Frage zu stellen, alle gemeinsam -an einem Strang zu ziehen und hart an der Erreichung unserer weiteren Saisonziele zu arbeiten. Die Saison dauert nämlich noch lange und es ist noch einiges möglich. Gleichzeitig müssen auch die optimalen Voraussetzungen für die kommenden, herausfordernden Saisonen geschaffen werden. Also, stolz sein auf das Erreichte, hungrig sein auf das Kommende. Das erhalten was schon sehr gut funktioniert, schonungslos das Ansprechen was einer Verbesserung bedarf und nach einer Weiterentwicklung in allen Bereichen streben.

Und wenn aus den Niederlagen der Vergangenheit und jenen die sicher noch kommen werden die richtigen Schlüsse gezogen werden, dann birgt das auch die Chance, dass unsere Veilchen bald wieder einmal dort stehen wo sie hingehören, nämlich ganz oben in der Tabelle. Und wenn alles passt, werden wir vielleicht auch wieder einmal in einem europäischen Bewerb überwintern.

 

Vielleicht sind das schönste am Sport auch die Niederlagen – je bitterer umso besser

Man rückt näher zusammen, man erinnert sich an glorreiche Siege und freut sich darauf das wieder bessere Tage kommen werden. Und wenn diese dann kommen – und die werden kommen – ist man in der Lage die Erfolge voll auszukosten, weil man genau weiß, dass es im Fußball nicht nur solche Tage gibt.

 

 

Hinweis: Original des Beitragsbildes von kurier.at

Über MMMasi

Über mich: Jahrgang 81; Heimat Osttribüne, Kategorie D Hool (nervt alle von der 1. bis zur 4. Hälfte - im Stadion und im verfickten Internet) mit den Hobbies Rauchen, Trinken (v.a. Ottakringer & Red Bull) und Fußball – aber auch Familienmensch, engagiert, loyal & hilfsbereit. Warum die Austria. Austria siegt durch Witz, Spielkultur und Intelligenz, steht für schönen Fußball auf technisch höchstem Niveau. Austria Fans überzeugen durch Klasse anstatt durch Masse, sind selten einer Meinung, können über alles raunzen und sind wunderbar vielfältig.