Red Bull Salzburg im Fokus

Red Bull Salzburg dominierte die Liga und stand bereits 8 Runden vor Schluss als Meister fest und sorgte vor allem mit den Spielen gegen Ajax international für Aufsehen. Grund genug sich eingehender mit dem wohl härtesten nationalen Konkurrenten zu beschäftigen.

Im Folgenden sollen die Auswirkungen der internationalen Performance der roten Bullen auf die Austria beleuchtet werden, ein Blick auf die Transfers der Ära Rangnick geworfen werden und ein Ausblick auf die Zukunft gewagt werden. Ob und wie die Austria von Salzburgs internationalem Erfolg profitiert? Das wichtigste Ranking der UEFA ist die so genannte 5 Jahreswertung, welche über Anzahl und Einstiegszeitpunkt der Teams des jeweiligen Landes entscheidet. Aktuell belegt Österreich den 14. Platz und stellt daher für 2015/2016 2 Teilnehmer an der CL Qualifikation und 3 Teilnehmer an der EL Qualifikation.

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Von den internationalen Erfolgen der anderen österreichischen Teilnehmer profitiert die Austria insofern, als eine bessere Platzierung einerseits mehr Teilnehmer oder die Ersparnis von Qualifikationsrunden mit sich bringt. Ohne die 53 Punkte von RB Salzburg wäre Österreich nur an 21. Stelle, der Meister würde in der 2. Qualifikationsrunde zur Champions League und der Cupsieger, der Vizemeister und der Drittplatzierte in der 2. Qualifikationsrunde der Europa League einsteigen. So hingegen hat man gute Chancen im kommenden Jahr Platz 15, ab dem auch der Vizemeister in der Qualifikation für die Champions League teilnehmen kann, zu verteidigen und darf sich kleine Hoffnungen auf Platz 13, der einen Champions League Fixplatz für den Meister bringt, machen.

Es gibt immer wieder Stimmen, dass von einem Champions League Fixplatz für Österreich vorwiegend RB Salzburg selbst profitieren würde und der 2. Startplatz in der Champions League Qualifikation im so genannten Nicht-Meisterweg für den österreichischen Vizemeister kaum Chancen auf eine Gruppenphase bedeuten würde, warten doch unter anderem der 4. aus Spanien, Deutschland, England oder der 3. aus Frankreich oder Portugal. Wahrscheinlich ist jenen sogar Recht zu geben. Um an der Champions League Gruppenphase teilzunehmen muss man also entweder Red Bull Salzburg wie 2012/2013 hinter sich lassen und die Qualifikation gegen die Meister der Länder ab Platz 14 im Länderranking schaffen, oder als Vizemeister Kaliber wie Fenerbahce, Arsenal & Co im K.O. Duell besiegen.

Das zweite wichtige Ranking ist das Team Ranking, Austrias derzeitiger Club Koeffizient beträgt 23,685, davon stammen 6,185 aus der Länderwertung 17,5 Punkte hat man sich durch die Qualifikationen für EL und CL bzw. durch Siege und Unentschieden in der Gruppenphase selbst erspielt:

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Für rund 3 Viertel der Punkte sind ausschließlich die Erfolge des eigenen Vereins maßgeblich, die Performance der anderen österreichischen Teilnehmer hat nur geringe Auswirkungen auf das für die Setzung relevante Team Ranking. Selbst ohne Länderpunkte käme die Austria auf Rang 107 – 17,5 Punkten haben zuletzt stets für eine Setzung im Play Off für die Europa League ausgereicht.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die internationalen Erfolge von Red Bull Salzburg maßgeblich zu Österreichs Top 15 Platzierung in der 5-Jahreswertung beitragen und so Österreich 5 Europacup-Teilnehmer bringen und auch das Image der heimischen Liga verbessern helfen. Der Anspruch der Austria sollte allerdings sein, stets unter die Top 3 zu kommen und/oder den Cup zu gewinnen, was in den letzten 10 Jahren mit einer Ausnahme 2011/2012 auch immer gelungen ist – dann würde selbst Platz 51 im Landerranking für die Teilnahme an einem internationalen Bewerb reichen. Für das für einen Verein wie die Austria viel wichtigere Teamranking ist der Beitrag von Salzburg (2,5 Punkte von 23,685) vergleichsweise gering, schwerer wiegt wohl aber die Tatsache dass man national einen 60 Millionen schweren Konkurrenten zu bezwingen hat um realistische Chancen auf einen Champions League Einzug zu haben.

 

Die Transfers von Red Bull Salzburg – ein Modell für die Austria?

Immer wieder wird die hervorragende Arbeit der Scouting Abteilung in der Ära Rangnick bei Red Bull Salzburg gelobt. Mit Ende April 2014 holte der deutsche Sportdirektor 17 Spieler, von denen bisher allerdings nur 3 als unumstrittene Stammspieler gelten: Sadio Mané, Kevin Kampl und Péter Gulácsi. Bemerkenswert ist auch, dass von 15 Spielern aktuell nur 7 im Kader von Red Bull Salzburg stehen, 5 Spieler wurden verliehen und 3 Spieler spielen beim Kooperationsverein FC Liefering:

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Eines scheinen alle Spieler gemeinsam zu haben: Sie sind durchwegs jung, aus dem Ausland und haben Potential. Solche Transfers wissen zu gefallen, beweist es doch dass man mehr als den österreichischen Markt im Blickfeld hat und talentierte Perspektivspieler verpflichtet. Für eine endgültige Bewertung dieser Transfers ist es sicherlich noch zu früh, keiner weiß wie sich beispielsweise die um kolportierte 3,5 Millionen Euro geholten Spieler Reyna und Rogulic in Liefering entwickeln. Aber selbst in der Zukunft von Manè oder Kampl erscheint noch sehr viel möglich, werden sie doch immer wieder mit namhaften Vereinen Europas in Verbindung gebracht, die bereit wären, ein mehrfaches der ursprünglichen Ablöse von 3 bzw. 4 Millionen zu bezahlen.

Dennoch ist vermutlich kein anderer Bundesligist in der Lage oder gewillt, einen dieser Spieler zu seinem Verein zu locken. Während Rangnick in knapp 2 Jahren mehr als 20 Millionen in neue Spieler investiert hat und mehrere Millionen Ablöse für einzelne Spieler gezahlt hat, war Austrias teuerster Neuzugang in der Post Stronach Ära wohl Philipp Hosiner mit einer kolportierten Ablöse von EUR 700.000. Neben der Ablöse ist auch das laufende Gehalt ein Faktor, RB gibt im KSV Bericht die Personalkosten mit 38 Millionen an, Austria und Rapid kommen jeweils mit einem Drittel davon aus.

Nicht außer Acht gelassen werden dürfen bei der Verpflichtung von 17-21 jährigen Talenten die Auswirkungen auf die eigene Akademie. Gerade in diesem Alter sollte dem einen oder anderen der Sprung in den Profikader gelingen, oder die Möglichkeit geboten werden, in der Amateurmannschaft bzw. als Leihspieler Spielpraxis im Erwachsenenfußball zu sammeln. Ein Teil dieser Plätze wird nun von extern verpflichteten Jungprofis belegt, diese Vorgehensweise könnte man auch dahingehend interpretieren, dass RB Salzburg dem eigenen Nachwuchs zu wenig Vertrauen schenkt.

Ein weiterer Punkt ist der Österreicher Topf. Um an diesen Einnahmen partizipieren zu können dürfen lediglich 6 Legionäre im Kader stehen. Während Red Bull Salzburg auf diese Einnahmen von mehr als einer halben Million Euro verzichten kann, sind sie für die anderen

Bundesligisten essentiell. Neben dem finanziellen Aspekt verbessern die Vereine auch ihr Image wenn sie auf heimische, für das Nationalteam spielberechtigte Spieler setzen und den so genannten österreichischen Weg gehen. Dadurch wird allerdings die Möglichkeit ähnlich wie Red Bull ausländische Talente mit Potential zu verpflichten begrenzt. Die 9 anderen Bundesligisten setzen daher eher auf erfahrene Legionäre, die sofort weiterhelfen können.

Die Transferpolitik von Red Bull verdient mit Sicherheit Aufmerksamkeit, immerhin ist es gelungen einige Talente die auch bei namhafteren Vereinen in den Notizbüchern der Scouts gestanden sind, nach Österreich zu holen. Vereine wie die Austria hingegen sind meiner Meinung nach gut beraten, ihren bisherigen Weg primär auf heimische Spieler zu setzen fortzuführen und von internationalen Transfers in der Größenordnung von Red Bull abzusehen. Vielleicht gelingt es aber dennoch einen Transfer à là Aalen zu tätigen, die Kevin Kampl im Sommer 2012 um 300.000 Euro verpflichten konnten um ihn wenige Monate später für 3 Mio nach Salzburg weiterzuverkaufen.

 

Ausblick in die Zukunft

„Wir wollen primär die Mannschaft weiterentwickeln und zur Stelle sein, wenn Red Bull Salzburg einmal schwächelt“ – so oder so ähnlich lautet die aktuelle Diktion bei den beiden Wiener Großvereinen. Es ist auch durchaus verständlich dass nicht der Meistertitel als Ziel ausgegeben wird, wenn ein Konkurrent wie Red Bull Salzburg in der Liga mitmischt. Seit dem Einstieg des Getränkekonzerns in die heimische Liga gewannen die Roten Bullen 5 mal die Meisterschaft, 2 mal gelang dies der Austria, jeweils 1 mal Rapid und Sturm. In den letzten beiden Jahren avancierten die Salzburger zu Seriensiegern und stellten Rekord um Rekord auf. Allein aufgrund der sensationellen Saison der Austria unter Peter Stöger reichte die Rekordausbeute von 77 Punkten nicht zum Titel. Heuer stehen ähnlich viele Punkte am Konto, die Konkurrenz folgt allerdings mit großem Respektabstand. Auch die Art und Weise wie gespielt wird ist beeindruckend, die Belastung durch internationale Spiele, Verletzungen oder Formschwächen einzelner Akteure fängt der auch in der Breite gut aufgestellte Bullenkader locker ab. Viele gehen daher von einem ähnlich dominanten Auftreten von Red Bull Salzburg auch in den kommenden Jahren aus und befürchten dass die Spannung in der Meisterschaft auf der Strecke bleibt.

Wenn es um die Dominanz von Red Bull Salzburg geht wird auch immer ein hoffnungsvoller Blick nach Leipzig geworfen. Der dortige Verein steht unmittelbar vor dem Aufstieg in Liga 2 und wird wohl früher oder später in der deutschen Bundesliga spielen. Auch wenn von Verantwortlichen des Konzerns immer wieder betont wird, dass man zu jeder Zeit eine Mannschaft in Salzburg aufstellen wird, die in der Lage ist, um die österreichische Meisterschaft mitzuspielen, erscheint es logisch, das künftig der deutsche Verein das Fußballaushängeschild von Red Bull sein wird. Es ist nicht unrealistisch dass sich dann die besten Salzburger in Leipzig der Herausforderung deutsche Bundesliga stellen wollen, welchen Einfluss dieses Szenario auf das 60 Millionen Euro Etat von Red Bull Salzburg haben wird, bleibt abzuwarten. Noch mehr Zukunftsmusik ist, wie die UEFA entscheiden wird sollten sich sowohl RB Salzburg als auch RB Leipzig für internationale Bewerbe qualifizieren.

Es ist wohl davon auszugehen, dass wie bei Chelsea und ZSKA auch in diesem Fall eine Konstruktion gefunden wird, die sowohl dem österreichischen als auch dem deutschen Vertreter die Teilnahme erlaubt – falls allerdings nur ein Team zugelassen wird, ist wohl klar welches das sein wird.

 

Was also tun? Hoffen dass RB Salzburg schwächelt oder neuerlich eine „Jahrhundertsaison“ gelingt, den Leipzigern die Daumen drücken und beten dass die UEFA dem Salzburger Projekt den Garaus macht oder Didi Mateschitz die Lust verliert?

Besser ist es sich auf die Dinge zu konzentrieren, die man selbst beeinflussen kann. Die Infrastrukturprojekte der Wiener Großvereinen in den kommenden Jahren können beispielsweise dazu führen, dass die Lücke zu Red Bull Salzburg kleiner wird. Es ist zu erwarten dass die Zuseher die Stadien- und Tribünenneubauten zu schätzen wissen und die Attraktivität für Sponsoren erhöht wird.

Einen weiteren wichtigen Meilenstein stellen die internationalen Bewerbe dar. Bisher hatte man oft den Eindruck, österreichische Mannschaften geben sich mit dem Erreichen der Gruppenphase zufrieden und agieren nach dem Motto „Dabei sein ist alles“ – bei Rapid mehr, bei Austria weniger. Nachdem man sich in den letzten Jahren die sichere Setzung im Play Off und gute Chancen auf einen Platz in Topf 3 erarbeitet hat, sollte man langsam doch anders an den Bewerb herangehen. Natürlich kann auch ein ungesetzter Verein ein Stolperstein auf dem Weg in die Gruppenphase werden und natürlich kann man als Topf 3 Mannschaft 2 echte Kaliber in der Gruppe haben, dennoch sollte man künftig auf ein Überwintern in einem internationalen Bewerb abzielen. Wenn dies hin und wieder einem Wiener Verein gelingt wäre auch das eine Möglichkeit näher an Salzburg heranzurücken.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich unsere Liga dauerhaft unter den Top 15 in der UEFA 5 Jahreswertung etablieren könnte. Damit stünden den heimischen Vereinen stets 5 internationale Startplätze zur Verfügung, Zielvorgaben wie „Erreichen eines EC Platzes“ sollten dann der Vergangenheit angehören, sowohl Rapid als auch die Austria sollten den zweiten Champions League Quali-Platz im Fokus haben. Dieser gegenseitige Konkurrenzkampf der dann nicht mehr lediglich den symbolischen Charakter der Nummer 1 von Wien hat, sondern auch zumindest zwei Bonusspiele gegen eine absolute Topmannschaft und eine „Freirunde“ mit sich bringt, kann für beide vorteilhaft sein, wenn es darum geht den Abstand zu Red Bull zu verringern.

Zu guter Letzt sind es natürlich auch die Duelle gegen Red Bull Salzburg selbst – in denen man sich 4-mal pro Saison mit Kickern messen kann, die ohne die Mateschitz Millionen wohl nicht in Österreich spielen würden – die es zu nutzen gilt. Es spornt auch sicher an, System und Spielphilosophie der Salzburger genau zu analysieren, und zu tüfteln, wie dem am besten beizukommen ist und welche Elemente eventuell in das eigene Spiel übernommen werden können. Und dann gilt es schon auch ein bisschen zu hoffen, das Salzburg schwächelt, dass man selbst von Verletzungen und Formkrisen verschont bleibt, und in den entscheidenden Phasen das nötige Glück hat umso wie im vergangenen Jahr ganz oben zu stehen.

 

Hinweis: Original des Beitragsbildes von http://www.austria80.at (© Fritz Duras)

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Über MMMasi

Über mich: Jahrgang 81; Heimat Osttribüne, Kategorie D Hool (nervt alle von der 1. bis zur 4. Hälfte - im Stadion und im verfickten Internet) mit den Hobbies Rauchen, Trinken (v.a. Ottakringer & Red Bull) und Fußball – aber auch Familienmensch, engagiert, loyal & hilfsbereit. Warum die Austria. Austria siegt durch Witz, Spielkultur und Intelligenz, steht für schönen Fußball auf technisch höchstem Niveau. Austria Fans überzeugen durch Klasse anstatt durch Masse, sind selten einer Meinung, können über alles raunzen und sind wunderbar vielfältig.

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