Mehr als nur ein Trostpreis – Eine Liebeserklärung an den ÖFB-Cup

Erhascht man die seltene Gelegenheit, dass in Österreich der hiesige Cup thematisiert wird, ist der neidische Blick in die benachbarte Bundesrepublik meist ein treuer Begleiter. Während beim DFB-Pokalfinale im stets ausverkauften Berliner Olympia Stadion eine Show zelebriert wird die einem Europacup-Finale in nichts nachsteht, scheint man in Österreich froh zu sein, wenn das jeweilige Finalstadion einigermaßen gefüllt aussieht. Aus Tradition wird daher der (offiziell) seit 1918 ausgetragenen Bewerb hierzulande belächelt oder nicht ernst genommen.

Blickt man auf die Geschichte des Pokals ist dies auch nicht verwunderlich, schließlich befindet man sich in einem Land in dem der Pokal ab 1949 für ganze zehn Jahre gar nicht ausgetragen wurde, und im EM-Jahr 2008, um dem ÖFB-Team mehr Vorbereitungszeit auf das Turnier zu gönnen, nur für den Amateurbereich veranstaltet wurde. Es ist also durchaus verständlich, dass es dadurch zu einem Imageverlust kam der noch tief in der österreichischen Fußballseele verankert ist. Die jahrzehntelange stiefmütterliche Behandlung wirkt bis heute nach und um dieser Entwicklung entgegen zu wirken reicht es eben nicht den Pokal einfach etwas größer zu machen.

Dauerleihgabe: Zum 100. jährigen Bestehen der Austria, fand die vorletzte Version des Pokals den Weg zurück heim und ist seit dem im Austria Museum zu bestaunen. Bildquelle: weltfussball.at

Dauerleihgabe: Zum 100. jährigen Bestehen der Austria, fand die vorletzte Version des Pokals den Weg zurück heim und ist seit dem im Austria Museum zu bestaunen. Bildquelle: weltfussball.at

Erschwerend dazu kommt die Entwicklung der Bundesliga. Ein Cupspiel lebt gerade in frühen Runden von Duellen eines Bundesligisten mit einem Underdog. So war der Bewerb selbst in schlechten Jahren bei den Vereinen aus der Unterklasse sehr beliebt. Ein Spiel gegen die Wiener Großklubs, deren es früher mehrere gab, sorgte für ein volles Haus und Volksfeststimmung. Seit dem 21. Jahrhundert sind attraktive Bundesligisten allerdings rar geworden. Ein Spiel gegen Grödig oder Wiener Neustadt ruft bei den Underdogs eine ähnliche Euphorie hervor wie wenn ein Bundesligist im Europapokal eine Mannschaft aus einem Nachfolgestaat der Sowjetunion zieht. Altach, Ried, Admira Wacker Mödling et al. und Wolfsberg stellen maximal für Mannschaften aus der Region attraktive Gegner dar, versprühen aber nicht den Glanz der großen Fußballwelt.

Viel zu selten kommt es zu Cupduellen welche diesen gewissen Reiz haben die diesen Bewerb eigentlich auch ausmachen. Begegnungen wie Vorwärts Steyr gegen Sturm Graz, WSK gegen RB Salzburg oder Austria Salzburg gegen Sturm Graz haben gezeigt was in diesem Pokalbewerb möglich wäre. Doch weiterhin herrscht der Konjunktiv vor und der Großteil der Spiele findet an unmöglichen Terminen vor Geisterkulissen statt. Aber wisst ihr was? Ich liebe diesen Bewerb dennoch und er rangiert bei mir noch vor der Liga.

Dies liegt nicht daran, dass unsere Veilchen Rekordcupsieger sind oder der westliche Erzrivale seit gut zwei Jahrzehnten in diesem Bewerb von chronischer Erfolgslosigkeit geplagt wird, sondern schlichtweg am Modus. Die Liga verzeiht Spiele die Remis enden oder gar verloren werden, der Cup ist da gänzlich anders. Erbarmungslos nimmt er den verdienten oder unverdienten Verlierer aus dem Feld. Dorfvereine wie Untersiebenbrunn, Pasching, Kalsdorf, Lustenau, etc. können an einem Abend über sich hinaus wachsen, eine reelle Gefahr darstellen und uns alles nehmen. Es gibt keine Wiedergutmachung, eine Niederlage und es ist alles vorbei. Obsiegt man allerdings ist es als würde der letzte noch stehende Gladiator siegreich sein Gladius gen Himmel strecken und auf die Schar seine besiegten Gegner hinabblicken – Ave Windtner, morituri te salutant. Ein besonderes magisches Gefühl, dass jede Cup-, aber kaum ein Ligaspiel bietet.

Und es kribbelt schon wieder wenn ich daran denke, dass unsere violetten Gladiatoren am 3. Juni im Finale in Klagenfurt gegen das favorisierte Marketingkonstrukt aus Salzburg antreten und es darum geht eine ganze Saison zu retten. Alles oder nichts eben, ich liebe diesen Bewerb.

 

Hinweis: Original des Beitragsbildes von news.at

Prinz Eugen

Über Prinz Eugen

Kulturhistoriker und ASB-Troll. Zelebriert die Austria als Verein der Kaffeehäuser und des Bildungsbürgertums. Er mag die schönen Dinge des Lebens, setzt daher auch voraus, dass die Austria nicht nur spielerisch überlegen auftritt, sondern den Fußball wieder zur Kunst macht und stets ästhetisch ist.