Lukas Rotpuller – Eine Geburtstagshommage

Lange Zeit wäre so ein Text aus meiner Feder undenkbar gewesen. Ich habe den Lukas als Spieler lange Zeit abgelehnt, war der festen Überzeugung, dass seine fußballerischen Fähigkeiten nicht ausgeprägt genug sind, um in unserem Spiel eine tragende Rolle zu übernehmen. Das Prädikat Stammspieler ließ mich erschaudern, der Zusatz Abwehrchef zur Salzsäule erstarren. Und dennoch: Irgendwie hat es dieser Junge fertig gebracht, dass ich in ihm nunmehr so etwas ähnliches wie eine Identifikationsfigur sehe.

Der Autor und die gesamte Melange Violett-Redaktion wünschen alles Gute zum Geburtstag, Lukas!

Zur Hommage

Ja, ich gebe es zu. Eine Startaufstellung ohne unsere Rückennummer 33 zu erspähen zaubert mir heute kein Lächeln mehr auf die Lippen. Früher wäre ich über einen solchen Umstand ganz happy gewesen. Aber die Zeiten ändern sich. Es ist ja nicht nur eine Frage der Alternativen, aber Rotpuller schafft es durch seine Art, seine Körpersprache der Mannschaft in gewisser Weise den Stempel aufzudrücken.

Anlass, aber keines Falls Ursache für diesen Text, waren die beiden späten Tore, mit der uns der Rotl in den Spielen gegen Rapid und Sturm vier Punkte beschert hat. War er im Derby noch für den späten Ausgleich verantwortlich, brachte er in Graz mit dem zweiten Treffer des Spiels den Auswärtssieg in trockene Tücher.

Was ist also die Ursache dafür, dass ich meine Meinung nicht nur radikal geändert habe, sondern mich auch noch hinsetze, um eine – naja, nennen wir es – Liebeserklärung zu verfassen? Es ist das Gesamtkunstwerk Rotpuller. Sein Auftreten auf dem Platz, seine Gesten, seine Frisur und nicht zu guter Letzt seine Interviews. Wenn es einen Pressesprecher für die Mannschaft gäbe, er müsste auf Jahrzehnte pragmatisiert sein. Seine Rhetorik ist unverwechselbar. Stimmen zum Spiel, gesammelt von Viola TV, machen ohne Rotpuller weder Sinn noch Spaß.

Das Rhetorikgenie

Wer einmal das Vergnügen hatte Rotpuller längere Zeit beim Sprechen zuhören zu dürfen, wird verstehen was ich meine. Selten gab es einen Spieler, der sich derart gewählt ausdrücken konnte. Unvergessen wird mir ein Moment im Rahmen eines Testspiels gegen den Floridsdorfer AC bleiben. Ein Zweikampf, ein Pfiff, ein überraschter Rotpuller. Hätten sich andere Spieler wild gestikulierend beschwert oder ihrem Unmut über die Entscheidung mit harschen Worten zum Ausdruck gebracht – denkbar wären Sprüche wie „Schiri, des woar nix!“, „Heast, wos pfeifst denn?“, oder ähnlich klingende Perlen – wählte unser Schützling die fast schon zärtlich gemeinten Worte: „Schiedsrichter, was soll denn das gewesen sein?“ Kein Dialekt, keine Wut, nur ehrlich und ungläubige Fassungslosigkeit. Was ich damals erahnen konnte bestätigte sich fortan in jedem Interview, in dem mir die Ehre zu Teil wird, dem Lukas zuzuhören.

Körpersprache ist alles

Nun will ich gar nicht in Abrede stellen, dass diese Skills alleine bei weitem nicht ausreichen dürfen, um als Identifikationsfigur herhalten zu können. Wir reden hier von Profifußball und Aussagen in denen Rotpuller dafür gelobt wird sich immer mit vollem Einsatz ins Spiel einzubringen, kann ich nicht als vollwertiges Argument gelten lassen. Ich würde mich auch voll reinhauen. Immer. Das allein befähigt mich aber nicht meinen Kadaver über das Spielfeld zu schleifen.

Ich bin nach wie vor überzeugt, dass es der Anspruch sein muss Innenverteidiger im Kader zu haben, die Rotpuller bestenfalls eine Backup-Rolle ermöglichen. Sein Pass- und Aufbauspiel sind ausbaufähig, in einigen Situationen agiert er zu ungestüm, in anderen verhält er sich einfach schlecht. Mir sind hier katastrophale Rückpässe in Erinnerung. Einmal im Derby, wo Almer gerade noch rechtzeitig klären kann, einmal gegen Mattersburg, wo Hadzikic noch klären kann, aber kurz verletzt liegen bleibt und behandelt werden muss. Man verstehe mich nicht falsch. Das ist kein Bashing, sondern vielmehr eine liebevolle Überspitzung und Einschätzung der Situation.

Nach dem EL-Quali Erfolg in Trnava – Quelle austria80.at

 

Kurzum

Rotpuller ist nicht der beste Verteidiger in der Geschichte der Wiener Austria. Und dennoch ist er ein wertvoller Spieler. Er scheut keinen Zweikampf, ignoriert bei ungünstigem Spielstand selbigen und weigert sich die Aussichtslosigkeit seiner Bemühungen zu akzeptieren. Auch bei 0:3 in der Nachspielzeit. Die Körpersprache von Rotpuller vermittelt: „Jungs, da geht noch was!“.

Manche finden es dämlich, ich find‘s toll. Auch wenn er natürlich schon auch negative Emotionen zeigt. Frust, Enttäuschung. Aber er brennt für den Sport, das Spiel, das gerade bestritten wird.

Somit sind wir schon bei den Stärken angelangt: Zweikampfstärke, Einsatzbereitschaft, Kopfballspiel. An guten Tagen beherrscht er mitunter auch das Stellungsspiel. Und nicht zu guter Letzt ist Rotpuller auch torgefährlich. Es braucht ja nicht nur den guten Standardschützen, von denen wir mit Holzhauser, Grünwald, Salamon und Tajouri ausreichend haben, es braucht ja auch Spieler, die die Hereingaben verwerten. Was mich mindestens genauso freut, wie der Umstand, dass er Tore erzielt, ist die Art und Weise, wie er diese feiert. Grinsend wie ein Hutschpferd und wild gestikulierend. Stellvertretend zeigen wir hier die Torjubel aus dem Cupspiel gegen Ebreichsdorf und dem Wiener Derby aus der vergangenen Saison, in der Rotpuller nicht einmal der Torschütze gewesen ist. Aber wie er seine Torbeteiligung feiert oder herbeizugestikulieren versucht, ist einfach ein Traum, der mir wiederum ein Lächeln aufs Gesicht zaubert.

ÖFB-Cup 26. Okt. 2016 – ASK Ebreichsdorf gg. FK Austria Wien – Quelle: orf.at

 

Wr. Derby 12. Feb. 2017 – FK Austria Wien gg. SK Rapid Wien – Quelle: laola1.at

 

Rotpuller ist ein Veilchen. Nicht, weil er mit jeder Faser seines Körpers das repräsentiert wofür die Austria seit jeher stehen sollte. Er ist kein Zangler, keiner der imstande ist den Ball so liebevoll zu behandeln wie Spielmacher in der Offensive. Aber er stellt sich ausnahmslos in den Dienst der Mannschaft, versucht ihr zu helfen wo immer er kann. Und er hat sich das Ansehen der Fans erarbeitet. „Fußballgott“ tönt es mittlerweile durchs Stadion, wenn sein Name beim Zelebrieren der Startaufstellung verlesen wird. Klar gibt es auch die, die mit ihm nie so richtig warm geworden sind. Aber das ist ja auch schon wieder ein Merkmal eines echten Veilchens. Bedingungslos geliebt wurden in der Vereinsgeschichte die allerwenigsten aber egal ist der Lukas niemandem!

Lukas: Wir wünschen dir alles Liebe, Glück und Gesundheit im neuen Lebensjahr und viel Erfolg mit der Wiener Austria.

Hinweis: Original des Beitragsbildes von laola1.at

Mi.Re.

Über Mi.Re.

Floridsdorfer seit 1989, Zivildienst und Studium hinter sich gebracht. Erfreut sich an Sportveranstaltungen im TV und live vor Ort. Steht auf österreichische Musik. Familien- und Freundschaftsmensch, mittlerweile überzeugter Nordtribünler. Fußball ist weder Lebensinhalt noch Raketenwissenschaft, aber immerhin ein netter Zeitvertreib. Austrianer in dritter Generation. Verliebt in den daxbacher’schen Kurzpass- und Offensivkick. Erwartet von seinen Veilchen schön anzusehendes Fußballspiel und Spielfreude. Will eher keine Zehnkämpfer in Violett geigen sehen. Sympathien auch für das Nationalteam und den Floridsdorfer AC vorhanden.

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