Hi Heiko!

Warum die Verpflichtung eines „Altstars“ nicht automatisch Erfolg garantiert, Heiko Westermann die Defensive der Austria trotzdem nachhaltig verbessern könnte und „HW4“ wissenschaftlich gesehen eine Chimäre und kein Hybrid ist.

 

Mit der Verpflichtung von Heiko Westermann dürfte die Innenverteidigung der Wiener Austria für die Saison 2017 / 2018 feststehen. Petar Filipovic und Westermann dürften die Stammbesetzung auf dieser Position bilden. Als Ersatz stehen Abdul Kadiri Mohammed und Alexandar Borkovic zur Verfügung. Letztgenannte können sich vor allem bei einer möglichen Qualifikation für die Gruppenphase der Europa League Hoffnung auf reichlich Einsatzminuten machen. Denn eine lange Saison fordert auf dieser zentralen Position oft in Form von Verletzungen, Gelb und (Gelb-) Rot – Sperren ihren Tribut.

 

Apropos Sperren. Nach dem Auslaufen seines Vertrages machte sich Lukas Rotpuller zu neuen Ufern auf. Das „Gesamtkunstwerk“ (© Kollege Mi.Re. – hier sei nochmals auf den Artikel verwiesen) war zweifelsfrei ein „Typ“. Auf solide und sehr gute Partien folgten schwere Schnitzer und unnötige rote Karten, die so manchem Fan die Zornesröte ins Gesicht trieben. An dieser Stelle möchte ich aber auch an seine Tore und seinen Einsatz erinnern, sowie „Rottl“ alles Gute für seine weitere Laufbahn wünschen.

 

Nun soll also der 27-fache DFB-Internationale Westermann die Verteidigung der Veilchen verstärken. Der Franke kann auf eine durchaus beeindruckende Karriere zurückblicken. Für Arminia Bielefeld, Schalke 04 und den HSV konnte er über 300 Bundesligaspiele (26 Tore) in der deutschen Bundesliga absolvieren, für Betis Sevilla 20 Mal in der spanischen La Liga auflaufen und letzte Saison in den Niederlanden bei Ajax Amsterdam kicken.

Diese Stationen machen Westermann in der österreichischen Bundesliga zu einem prominenten Neuzugang. Die Frage ist, ob ein verdienter Spieler, der viele Einsätze in Topligen aufweisen kann, automatisch eine Verstärkung darstellt. Hier gehen die Meinungen unter Fans und Fußballinteressierten auseinander. Wie so oft dominieren in Internetforen Extrempositionen. Die „staraffine“ Fraktion argumentiert, dass das Können erfahrener DBL Profis noch immer locker für die österreichische „Pimperlliga“ ausreiche. Andere meinen, so manche abgehalfterte Stars würden in Österreich nur eine ruhige Zeit verbringen wollen, sich dabei ihr Konto auffetten lassen und wundern, wenn ihnen dann Jungspunde um die Ohren flitzen.

Was können wir als Austria Fans nun von Heiko Westermann realistischerweise erwarten? Wird er als „Königstransfer“ die Abwehr endlich stabilisieren und die Flut an Gegentoren eindämmen? Oder wird er bei aufgerückter Verteidigung überlaufen und kann den gegnerischen Stürmern nur mehr aus der Distanz zusehen, wie sie alleine auf das Tor ziehen? Landet er gar auf der Bank wie bei Ajax?

 

Jetzt eine Prognose abgeben zu wollen wäre unseriös. Unseriös wäre es auch Heiko Westermann mit unrealistischen Erwartungen zu überhäufen. Er wird nicht alleine sämtliche Kopfballduelle gewinnen und jeden Ball sauber und überlegt klären können. Defensive ist im modernen Fußballspiel eine Mannschaftsleistung. Die Verteidigung kann nicht jeden gegnerischen Offensivspielzug alleine unterbinden, sie ist auf die Mitarbeit der anderen Mannschaftsteile angewiesen.

Klar ist, dass mit Heiko Westermann kein junger Perspektivspieler mit Ambitionen bald in eine stärkere Liga zu wechseln verpflichtet wurde. Die Verpflichtung eines erfahrenen Innenverteidigers kann sich aber durchaus positiv auf die Defensive auswirken. Erfahrung, Spielintelligenz sowie gutes Stellungsspiel kann Schnelligkeitsdefizite ausgleichen. Erfahrung kann auch dabei helfen eine knappe Führung über die Zeit zu bringen. Nicht zu unterschätzen ist auch der Mehrwert für junge Mitspieler. Abdul Kadiri Mohammed, Alexandar Borkovic und Stefan Jonovic werden im Training von Tipps und Tricks eines Defensivhaudegens profitieren. An dieser Stelle sei auf den fast schon legendären FB Eintrag der Großmutter des 17 jährigen Ajax Verteidigers Matthijs de Ligt verwiesen. Diese bedankte sich bei Westermann nicht nur für die am Platz erteilten Ratschläge, sondern auch für das nach Hause bringen, „wenn es mal wieder später wurde“. Eine für Heiko Westermann passende Rolle wäre auch bei Austria Wien die des „Nestors“ auf und abseits des Platzes. In Homers Ilias war Nestor einer der älteren, erfahrenen und weisen Ratgeber des Königs Agamemnon.

Heiko Westermann und damit auch der Austria, ist eine erfolgreiche Zeit in Wien zu wünschen.

 

Abschließend soll noch der bildungsbürgerliche Auftrag dieses Blogs erfüllt werden und auf den Fangesang „Halb Mensch, halb Tier, HW4.“ eingegangen werden. Man könnte meinen, ein Mischwesen aus Mensch und Tier sei ein Hybride. Als Hybride bezeichnet man aber Kreuzungen in der Pflanzenkunde. Ein Mischwesen aus verschiedenen Arten müsste aber als Chimäre benannt werden.

Da Heiko Westermann beim FK Austria Wien aber mit der Nummer 18 auflaufen wird, bediene ich mich eines Beitrags aus einem Fanforum und schlage vor, diese Melodie mit dem Text „Heiko, Heiko achtzehn.“ zu unterlegen.

 

 

Hinweis: Original des Beitragsbildes von kurier.at