Gedanken eines Veilchens zur Ligareform

Nun ist sie also beschlossen die Reform der höchsten und zweithöchsten Spielklasse. Sie hat etliche Schönheitsfehler und kaum jemand ist total glücklich damit – aber sie ist ein erster (großer) Schritt in die richtige Richtung.

Warum das?

Als fußballbegeistertes Veilchen mit großen Sympathien für den heimischen Fußball schlagen bei derartigen Änderungen natürlich zwei Herzen in meiner Brust. Zum einen was ist das Beste für die Austria, zum anderen was wäre denn das Beste für den heimischen Fußball an sich. Natürlich decken sich die Interessen im Wesentlichen (zB starke Liga, starke Austria). In bestimmten Fragen bestehen allerdings Interessenskonflikte (z.B. Chance auf einen EL Platz für die Qualifikationsgruppe).

 

Was wäre aktuell das Beste für die Austria?

Vermutlich die Beibehaltung der 10er Liga und die Möglichkeit für die Amateure sich in einer professionell geführten zweithöchsten Spielklasse mit 9 anderen zu messen. Also im Wesentlichen das was Red Bull Salzburg/FC Liefering die letzten Jahre hatte. Man hätte nach wie vor 18 Heimspiele zu vermarkten (Eintrittsgelder, Gastro, Merchandising, Plattform für Sponsoren, Reichweite in TV/Print, etc.) und 12 Runden mit sogenannten Topspielen gegen Rapid, RBS und Sturm – die obwohl um 25 % teurer in der Regel die meisten Leute anziehen bzw. dazu bringen den Fernseher aufzudrehen. Ausnahmen zu den Stadionbesuchern wie vergangenen Mittwoch bestätigen diese Regel, die TV-Einschaltziffern für das Spiel werden aber sicher zu den Besten der Saison gehören.

Natürlich sagen viele, vier mal gegeneinander ist fad und das vierte Derby interessiert keinen mehr, aber wieviele von denen würden auch nur 50 Prozent der Derbies besuchen wenn es nur zwei gebe oder sich wenigstens diese beiden im Fernsehen ansehen? In diesem Fall würde es tausend andere Ausreden geben. Bei allem Respekt vor den Nicht-„Big 4“, 24 Spiele gegen Mannschaften mit nicht ganz so tollen Kickern, die in erster Linie kompakt stehen, abwarten und umschalten und von einem kleinen aber feinen Auswärtsmob begleitet oder einer kleinen aber feinen Fangemeinde in sehr gewöhnungsbedürftigen Stadien unterstützt werden sind genug. Auch wenn darunter so respektable und charmante Teams wie die SV Ried, der Wolfsberger AC oder die Admira sind.

Nicht nur aus Sicht der Vermarktung, auch aus sportlicher Sicht gibt es gute Gründe als Austria Fan für die 10er Liga zu sein. In 36 Runden mit 4 direkten Duellen wird am Ende der Größere die Nase vorne haben, Meister werden oder sich für den lebenswichtigen EC qualifizieren. Nicht umsonst wurde aus dem Meistercup die Champions League mit Gruppenphase, in der man als Großer schlechtere Spiele oder Phasen noch eher ausbügeln kann. Ausnahmen wie Admira, Grödig oder Altach bestätigen auch hier die Regel, aber in den letzten fünf Jahren gingen von 22 EC Startplätzen 14 an die „Big 4“, sechs Mal wurde der Einzug in den EC verpasst (drei Mal Austria, drei Mal Sturm – wobei eingeschränkt werden muss dass darunter drei Saisonen waren, in denen der Cupfinalist dem Meisterschaftsvierten vorgezogen wurde und dies nun nicht mehr gilt. Damit sich die Rechnung ausgeht sei erwähnt dass wir zwei Mal fünf Startplätze hatten, aber eben die „Big 4“ nur vier brauchen.

 

Von der Austria zu Österreich

Bevor das jetzt zu einem Plädoyer für eine 4er Liga ausartet, möchte ich natürlich noch anmerken dass jeder (Semi)Profiverein in Österreich sein eigenes sympathisches Profil und jedenfalls seine Daseinsberechtigung hat und selbstverständlich der richtige Mix entscheidend ist. Auch Rapid droht gerne mit Eigenvermarktung und unterstreicht oftmals seine Wichtigkeit im heimischen Fußball, weiß aber ganz genau um die Bedeutung der Kontrahenten und um die Notwendigkeit der Solidarität zwischen den Vereinen.

Ein Manko der 10er Liga aus meiner Sicht ist dass Österreich nicht das Klima hat um in den Stadien die uns derzeit zur Verfügung stehen und mit den Spielern die wir uns aktuell leisten können, 36 Spieltage à 5 Runden zu veranstalten. Wenn man das will müsste man meiner Meinung nach zu einer Ganzjahresmeisterschaft mit all ihren Nachteilen (Unterbrechung durch EM/WM sofern nicht in Katar, Nachteile im Europacup, etc.) übergehen, oder jemanden finden, der 14-16 Vereinen entsprechende Kader und Infrastruktur finanziert. Da in der Vergangenheit und auch in absehbarer Zeit beides nicht der Fall war/sein wird mussten/müssen wir dieses imageschädigende Trauerspiel über uns ergehen lassen, wenn jährlich ab Mitte/Ende November überspielte Spieler über die Krautacker des Landes vor ein paar Tausend Maxl´n schleichen.

Das noch größere Manko ist die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit im Unterbau, dass auf lange Sicht gesehen auch der Austria schadet und weswegen jetzt reformiert wird.

 

Was wäre demnach das Beste Format für unser Land?

Ganz klar eine höchste Spielklasse mit 16 (eigenständigen) Vereinen und zwei semiprofessionell geführten Regionalligen darunter inklusive den Zweitteams der Bundesliga. Ich denke auch den Auf- und Abstieg von 9 Landesligameistern in diese zweithöchste Spielklasse könnte man zufriedenstellend lösen.

Warum sollte man es dennoch nicht (gleich) machen?

Damit diese 16er Liga aber nicht von vorne herein zum Rohrkrepierer wie jene in den 80iger Jahren wird benötigen wir zumindest 20 Vereine die sportlich, wirtschaftlich und infrastrukturell zumindest auf dem Level von Ried sind und zumindest auch gleichermaßen interessant wie die Innviertler. Die haben wir aktuell leider nicht, wir haben aktuell nicht einmal 10 Profivereine mit Zweitliganiveau.

Deshalb müssen die diversen Stakeholder des österreichischen Fußballs (Liga, Vereine, Fans, Sponsoren, Medien, Politik etc.) für Rahmenbedingungen sorgen, damit sich diese entwickeln können. Und dann sind die Vereine gefordert und zwar von der Spitze weg bis zu jenen die gewisse Ambitionen hegen, Profifußball in Österreich zu veranstalten – also in etwa von RBS bis zum WSK(C).

 

Was müssen diese Vereine tun?

Jeder muss den nächsten Schritt machen. RB Salzburg ist sportlich und wirtschaftlich gesehen das „Non Plus Ultra“ in Österreich, dennoch fehlen in Salzburg ganz entscheidende Dinge. Ich hoffe trotzdem die Entwicklung geht in Richtung Basel II und man gibt sich nicht als Leipzig II zufrieden. Auch Rapid hat das Zeug zu Basel II, wenn es dann am Ende nur zu Celtic reicht ist das auch in Ordnung. Auch wenn es weh tut dass zu sagen – Austria und Sturm sollten in absehbarer Zeit dorthin kommen, wo Rapid aktuell schon ist (nein, damit ist nicht der Tabellenplatz gemeint), aber natürlich auf eigenem Weg und unter Beibehaltung ihrer eigenen Idendität und Tradition. Was momentan in Graz möglich ist, müsste vom Potential her mit einer gemeinsamen regionalen Kraftanstrengung auch in Innsbruck und Linz zu schaffen sein. Und selbstverständlich auch in Altach, die absolut kein Dorfverein sondern ein Bundeslandverein sind. Und so kann man die Liste fortsetzen bis zum Wiener Sportclub, einzelne Vereine wie Ried oder die Admira vielleicht ausgenommen, die aus meiner Sicht anhand ihrer Rahmenbedingungen bereits das Maximum heraus holen.

Ich habe auch bewusst diese Beispiele gebracht, weil sie nach aktuellem Stand der Dinge jene sein werden die in den nächsten Jahren die Meistergruppe des heimischen Fußballs beeinflussen werden bzw. sollten. Natürlich ist es möglich das in 1-2 Jahren Dietrich Mateschitz dem Salzburger Fußball den Rücken kehrt oder sich in Klagenfurt eine fähige Gruppe der Austria annimmt und die Vorteile des schönsten Stadions Österreichs nutzt, und so die Karten neu gemischt werden, beides ist aber im Moment nicht absehbar.

 

Das Problem der Kannibalisierung

Damit hätte man 7 Vereine, denen zuzutrauen ist, dass sie Österreich in den europäischen Wettbewerben – der Größe des Landes und des Marktes angemessen – regelmäßig und nachhaltig, sowie würdig vertreten. Wir haben leider nur vier, maximal fünf Startplätze bräuchten aber sieben. Wenn Altach und Innsbruck die Austria und Sturm aus den EC Plätzen kicken, hemmt das deren Entwicklung. Genau das Gleiche ist der Fall wenn Grödig plötzlich aufsteigt und die Talente die sich nicht in Salzburg, Wien oder Graz durchsetzen plötzlich dort spielen und nicht mehr in Ried.

Zu lösen ist das Problem nur so dass man die Weiterentwicklung derartig bedachtsam, nachhaltig und erfolgreich gestaltet, dass nach 1-2 EC freien Saisonen man nicht im Teamranking auf den Plätzen 150ff geführt wird und in der dritten EL Qualirunde Gegner wie Krasnodar drohen bzw. quartalsweise eine Rechenschaftsbericht an die Liga fällig wird.

Selbiges gilt für das Beispiel Ried/Grödig. Die eigene Akademie und die anderen im Land müssen ausreichend Kicker für alle Profivereine produzieren, die ergänzt durch effektiv gescoutete Spieler, dazu in der Lage sind qualitativ angemessenen Erstligafußball zu zeigen (und leistbar für Clubs mit beschränkten Mitteln zu sein).

Jedenfalls große Herausforderungen für die diversen Verantwortlichen in den Vereinen und auch für die Spieler.

 

Hinweis: Original des Bildes von oe24.at

Hinweis: Original des Bildes von oe24.at

 

Der Nutzen der 12er Liga

Der größte Nutzen der 12er Liga ist einmal der dass sie zwei weiteren Vereinen die Chance an der Teilnahme an der Meisterschaft der höchsten Spielklasse gibt. Im besten Fall wird zum Zeitpunkt der Umstellung der LASK schon da sein, und Innsbruck dazukommen und Mattersburg wieder aufsteigen. Gerne auch Lustenau. Eher ungern Kapfenberg oder Horn oder gar das ultimativ böse Ritzing. Leider kann man das nur beschränkt beeinflussen, schon gar nicht als Fan.

Der große Nachteil an der 12er Liga ist, dass um eine 100 % sportlich faire Meisterschaft abwickeln zu können, 44 Spieltage notwendig wären. Damit wäre man wohl innovativer Vorreiter in Europa, müsste den Cup opfern und sehr kreativ bei der Spielplangestaltung sein.

 

Der ungeliebte(?) Kompromiss

Playoff´s sind bei vielen eingefleischten Fußballfans nicht sehr beliebt, schließlich geht es nicht um Eishockey und schließlich sind wir nicht in Amerika. Dennoch ist die Teilung nach dem Grunddurchgang in ein Meister- und Qualifikationsplayoff die einzige Möglichkeit in einer 12er Liga in angemessener Zeit 1 Meister, 2-4 weitere EC Starter und 1 Absteiger zu küren. Angenehmer Nebeneffekt: Für jene die es ins obere Play Off schaffen bleibt die Anzahl der Topspiele gleich, wegfallen tun vier weniger prickelnde Begegnungen gegen den bisherigen 7., 8., 9. und 10. und das war grob gesagt in den letzten neun Saisonen mit einer unrühmlichen Ausnahme 2015 niemals Salzburg, Sturm, Rapid oder Austria. (2006/2007 war ein spezielle Saison, die sich so hoffentlich niemals wiederholt).

Eine Gefahr besteht allerdings für jene Mannschaften, die nach Runde 22 nicht den Cut geschafft haben. Ich hege auch die Befürchtung dass die Karotte „wenn du die Qualifikationsgruppe gewinnst und dann den 4. und 3. schlägst darfst du in der zweiten EL-Qualifikationsrunde in Albanien antreten und wenn du das auch gewinnst dann kommt vielleicht Dortmund“ nicht ausreichen wird um diesen Vereinen die nötige Aufmerksamkeit zu verschaffen. Mehr Spannung verspricht vielleicht der Abstiegskampf, aber ein Abstieg ist etwas was man niemanden (außer Grödig vielleicht) wünscht und in der Regel auch nicht dafür geeignet ist die Massen ins Stadion oder vor den TV-Bildschirm zu locken. Außer es geht in der letzten Runde um alles.

Man kann nur hoffen, dass die dort vertretenen Mannschaften die jeweilige Halbsaison positiv absolvieren, und die notwendige Solidarität der Großen und der TV- und Medienpartner erhalten. Vielleicht kann man das ganze auch dramatisch vermarkten à la „Die jungen Wilden kämpfen mit offenem Visier um die Teilnahme in Europa oder gegen den Abstieg in die 2. Liga“

Natürlich ist es auch bitter für einen etwaigen Dritten, der womöglich 10, 15 Punkte mehr am Konto hatte als der Vierte in zwei weiteren Spielen den EC Platz aufs Spiel zu setzen und vielleicht sogar noch an den 7. zu verlieren, nur weil es wieder einmal einen Sensationscupsieger gab. Fußball ist nur im Fußballmanager fair, wo jeder mit einem Startkapital von 10 Millionen und einer Mannschaft mit einem durchschnittlichen Skill-Level von 30 beginnt. In einem Low Scoring Game gewinnt auch nicht immer der Bessere und oft ist es auch schon einfach dumm gelaufen.

 

Als Austrianer erinnere ich mich auch heute noch gerne an diese Saison:

„Ein Kuriosum ergab sich aus der Punktehalbierung zur Mitte der Meisterschaft. Hier bekam die Wiener Austria aufgrund der ungeraden Zahl einen Punkt gut geschrieben während Salzburg mit gerader Punktzahl korrekt halbiert werden konnte. Hätte es diese Punktehalbierung nicht gegeben, wäre Salzburg Meister geworden“

Grunddurchgang, Finaldurchgang, EL-Playoff und Punktehalbierung mögen auf den ersten Blick unfair wirken, sind aber durchaus in der Lage für zusätzliche Spannung zu sorgen – ohne das man gleich Angst vor Entwicklungen wie in der Formel 1 oder beim Skispringen haben muss. Wenn sich dadurch mehr Menschen für die heimische Liga begeistern können, sollten auch wir langjährigen Fans dem eine Chance geben – wir schauen ja in erster Linie wegen der Austria zu.

Es gibt noch zahlreiche andere Aspekte (Spielplangestaltung, Übertrittszeiten, etc.) auf die ich nicht mehr näher eingehen kann – jedenfalls kommen hochinteressante Diskussionen auf die österreichischen Fußballfans zu. Man stelle sich vor genau jetzt (Sa. 3.12. 16:00 Uhr) wäre Winterpause, 2 Punkte zwischen Rapid 7., Admira 6. und Wolfsberg 5. und im Februar würden noch 2 Runden im Grunddurchgang zu absolvieren sein – die Marktwerte der Spieler in Kärnten und der Südstadt würden sich wohl verdoppeln.

 

Der Knackpunkt der Reform

Die Reform 2018/2019 kann wohl dann als erfolgreich angesehen werden, wenn wir 2025 auf 14 Vereine (leider wieder nur mit Kompromissen) und 2030 endlich den Wiener Sportclub wieder im heimischen Profifußball begrüßen können und die Bundesliga auf 16 Vereine aufstocken können (+/- 5 Jahre). Ganz entscheidend dafür wird sein, dass sich die semiprofessionellen Vereine in der zweithöchsten Spielklasse positiv entwickeln. Das wird überaus schwierig und bedarf wohl viel Zusammenhalt und Solidarität.

Erfolge des Zugpferdes des österreichischen Fußballs namentlich der Nationalmannschaft oder CL-Teilnahmen von Red Bull Salzburg, ein Überwintern von Austria und Rapid in der Europa League, EL-Gruppenphasen für Sturm und Altach, etc. können dazu immens viel beitragen – im heimischen Fußball sitzen wir alle im selben Boot.

Wichtig wird sein, dass auch wir Fans dem neuen Format eine Chance geben und produktiv mitrudern.

Ein Beispiel für kontraproduktive „Mitruderer“

Jedenfalls kontraproduktiv ist es wenn gewichtige Sportjournalisten solchen Luftschlössern wie der Alp Premier League nachjagen. Warum so etwas – genauso wie eine „Monarchieliga“ vielleicht im Eishokey funktioniert aber wohl niemals im Fußball wird unter folgenden Links ausführlich erläutert:

http://www.90minuten.at/index.php/presseschau/vereine-verbaende/89390-der-traum-der-alps- premier-league-ist-vorerst-zerplatzt?start=2

http://www.90minuten.at/index.php/meinung/91minute/88994-die-wunderbare-welt-der-alps- premier-league

Und das Schlechteste an der Idee ist, dass einem ehemaligen Ligapräsidenten der viel Schaden angerichtet hat, neuerlich eine Plattform geboten wird, sich im Fußball wichtig zu machen. Solche Leute darf man nie wieder ins Boot holen, der hatte seine Chance.

 

 

Hinweis: Originale des Beitragsbildes sind von derstandard.at bzw. laola1.at

Über MMMasi

Über mich: Jahrgang 81; Heimat Osttribüne, Kategorie D Hool (nervt alle von der 1. bis zur 4. Hälfte - im Stadion und im verfickten Internet) mit den Hobbies Rauchen, Trinken (v.a. Ottakringer & Red Bull) und Fußball – aber auch Familienmensch, engagiert, loyal & hilfsbereit. Warum die Austria. Austria siegt durch Witz, Spielkultur und Intelligenz, steht für schönen Fußball auf technisch höchstem Niveau. Austria Fans überzeugen durch Klasse anstatt durch Masse, sind selten einer Meinung, können über alles raunzen und sind wunderbar vielfältig.