Die „heruntergefahrene“ Meisterschaft

Gleich einmal vorweg…

– Österreich und die Welt haben im Moment berechtigterweise größere Sorgen als die, ob und wann es mit Fußball weitergeht. Und natürlich sind unsere Gedanken bei den vielen Erkrankten und bei den vielen Helfern, denen wir an dieser Stelle auch ein großes DANKE sagen möchten.

– Noch kann auch niemand seriös abschätzen, wie sich die Zahl der Infektionen weiterentwickeln wird und ab wann Österreich und die anderen Länder wieder „stufenweise hinaufgefahren“ werden, der Gesundheitsminister sprach hier zuletzt eher von Monaten als von Wochen.

Nichts-desto-trotz nutze ich die Zeit in den eigenen vier Wänden für ein paar Überlegungen wie die Meisterschaft weitergehen bzw. zu Ende gehen könnte.

Grundlegende Annahme…

Auch wenn einige Spielerverträge in Österreich bereits mit 31.05.2020 auslaufen so wird von UEFA und Liga der 30.6 als so genannter Deadline Day für den Abschluss der Meisterschaft genannt. Markus Kraetschmer verweist in diesem Zusammenhang auf Klauseln in den Spielerverträgen, die die Verträge bis zum letzten Pflichtspiel der jeweiligen Saison verlängern. Ich denke bei anderen Vereinen wird das ähnlich gehandhabt.

Szenario 1 – Abbruch der Meisterschaft …

Das aus heutiger Sicht wahrscheinlichste Szenario ist, dass die Meisterschaft nicht fertig gespielt werden kann. Es gibt laut Ligavorstand Ebenbauer dafür keine fixen Regelungen, die Klubkonferenz würde mit einer Zweidrittelmehrheit einen Beschluss fassen müssen.

In Österreich sind wir in der glücklichen Lage, dass in der höchsten Spielklasse jeweils eine Hin- und eine Rückrunde absolviert wurden. Aus sportlicher Sicht wären sowohl ein Meistertitel für den LASK als auch Europacup-Startplätze für Salzburg und Rapid leicht zu rechtfertigen.

Etwas problematischer wird es im Hinblick auf den vierten und fünften Europacup-Startplatz. Hier wäre zum einen noch ein Play Off gegen den Siebenten/Achten vorgesehen und zum anderen- eigentlich schwerwiegender – hätte auch Austria Lustenau noch die Möglichkeit durch einem Sieg im Cupfinale kommendes Jahr international zu spielen.

Noch problematischer wird es bei der Abstiegsfrage. Nicht nur, dass die letzten vier bereits vor der Punktehalbierung innerhalb von lediglich zwei Punkten liegen, wäre die in gewissem Sinne rückwirkende Besiegelung eines Abstieges von St. Pölten am grünen Tisch eine Entscheidung, die sicher keiner gerne trifft.

Man muss natürlich auch im Hinterkopf haben dass Abstiege aus einer höheren Liga Einfluss auf die darunter liegenden Ligen haben. Nach derzeitigem Stand würde beispielsweise aus Liga Zwoa die SV Ried aufsteigen, genauso wie der GAK und der KSV absteigen müssten – da ja aktuell mit den Sturm-Amateuren bzw. den Rapid-Amateuren zwei Vereine aufstiegsberechtigt wären.

Dies würde sich Liga für Liga fortsetzen, ABER im Unterschied zur Bundesliga wurden in den Ligen darunter bisher nicht jeweils eine Hin- und Rückrunde ausgetragen.

Lösen ließe sich die Abstiegsfrage, indem man die höchste Liga auf 14 Vereine aufstockt, also neben den bestehenden Vereinen noch 2 Vereine aus der zweiten Liga dazu nimmt.

Es steht allerdings auch zu befürchten dass in der kommenden Saison – wann immer sie auch gestartet wird – vielleicht viel mehr Plätze frei bleiben als uns lieb ist.

Szenario 2 – Restart im vereinbarten Modus zum spätest möglichen Zeitpunkt …

Ligavorstand Ebenbauer spricht von einem Start Anfang Mai als spätest möglichem Zeitpunkt, um die Saison 2019/2020 noch bis 30.6 zu Ende spielen zu können. Das würde bedeuten dass kurz nach dem Ende der aktuellen Maßnahmen der Regierung am Ostermontag die Mannschaftstrainings wieder aufgenommen werden müssten, um auch eine zumindest zweiwöchige Vorbereitung absolvieren zu können.

Beeinflusst wird dieses Szenario jedenfalls von den internationalen Spielen sowohl auf Clubebene als auch auf Ebene der Nationalteams. So hätte der LASK zumindest noch ein Europa-League-Spiel in Manchester zu absolvieren und für die EM Play Offs, die nun vorerst in die erste Juniwoche verschoben wurden, wäre zumindest Dominik Szoboszlai von Red Bull Salzburg abzustellen.

Geht man jetzt von der Absage bzw. Verschiebung der Spiele der Nationalteams aus und davon, dass der internationale Auftritt des LASK bereits vor Wiederbeginn der Meisterschaft in Österreich untergebracht werden muss (ist ja erst das Achtelfinale) wäre beispielsweise folgender Terminplan möglich:

Spiele der nationalen Meisterschaften müssten in dieser Phase klarerweise an Europacup-Spieltagen ausgetragen werden dürfen, was ja im „normalen“ Rahmenterminplan so nicht vorgesehen ist.

Szenario 3 – Restart ohne Europa League Play Off …

Durch ein ersatzloses Streichen des Europa League Play Offs könnte man den Wiederbeginn auf 26./27. Mai verschieben, die 10 Spieltage bis zum 27./28. Juni absolvieren und so weitere 10 Tage gewinnen.

Szenario 4 – Statt zu teilen, dritteln …

Mit etwas Phantasie ließe sich aus der aktuellen Tabelle auch so etwas wie eine Dreiklassengesellschaft herauslesen – auch wenn dies für Rapid und den WAC eine sehr schmeichelhafte Interpretation darstellt:

Der Vorteil des Drittelns gegenüber dem Teilen wäre, dass man mit 6 Spieltagen anstelle von 10 das Auslangen finden würde. Somit wäre beispielsweise folgender Terminplan möglich:

Das Cupfinale müsste klarerweise vor Beginn der Meisterschaft ausgetragen werden und dann müsste man weiters auf einen (nicht gänzlich unwahrscheinlichen) Cupsieger Red Bull Salzburg hoffen. Ansonsten geht es im mittleren Drittel lediglich um die goldene Ananas anstelle eines internationalen Startplatzes.

Nicht gänzlich ernst gemeint: Zur Erhöhung der Spannung im Meisterdrittel könnte man die Punkte auch noch ein zweites Mal teilen – dann würde der Vorsprung des LASKs auf den WAC auf 4 Punkte zusammenschrumpfen.

Der Vorteil dieser Variante wäre auch, dass auf halbwegs sportlich fairem Weg ein Absteiger ermittelt werden könnte. Allerdings müssten im Juni auch noch 11 Spieltage der Liga Zwo untergebracht werden was ein Spiel alle 2-3 Tage bedeuten würde. Theoretisch könnte man die 2. Liga 2020/2021 auf 18 Vereine aufstocken – so sich so viele finden – und so könnte man die Abstiegsfrage entschärfen. Ich maße mir aber nicht an, zu entscheiden, ob jetzt Klagenfurt (Tabellenführer nach der Hinrunde) oder Ried (aktueller Tabellenführer) der „richtige“ Aufsteiger wäre.

Szenario 5 – Final 4 Turniere …

Man teilt die Mannschaften wie vorhin in drei Vierergruppen und ermittelt die Platzierung an zwei Spieltagen in K.o Duellen. Das in der aktuellen Tabelle besser platzierte Team hat jeweils Heimrecht:

So ein Turnier könnte man auch in der letzten Juniwoche stattfinden lassen, es würde aber wohl kaum die Leistungen der gesamten Meisterschaft widerspiegeln und ist eher nur für den Fall gedacht, dass man auf Biegen und Brechen die Platzierungen am grünen Rasen ermitteln muss.

Geisterspiele …

Ich persönlich halte es nicht für sinnvoll, Spiele ohne Zuseher stattfinden zu lassen. Zum einen sind es wirklich sehr trostlose Bilder, selbst wenn beispielsweise Manchester United zu sehen ist. Zum anderen zeigt die Erfahrung dass viele Fans außerhalb der Stadien ihre Mannschaften dennoch gemeinsam unterstützen. Daher bin ich dafür Fußballspiele nur dann stattfinden zu lassen, wenn es sicher für alle Beteiligten ist, am Rasen und auf den Rängen.

Fazit …

Die Entscheidung ab wann wieder gespielt werden kann ist keine Entscheidung des Fußballs sondern eine der öffentlichen Verantwortungsträger in Abstimmung mit Gesundheitsexperten.

Keinesfalls darf zu früh der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden, nur um dann zu einer Farce zu werden, wenn weitere Absagen und Verschiebungen notwendig werden, weil sich beispielsweise Spieler in Quarantäne befinden oder die Zahl der Infektionen wieder ansteigt.

Die Vertreter der Bundesliga diskutieren diese Varianten zurecht noch nicht in der Öffentlichkeit – zu vieles ist noch in Bewegung bzw. zum jetzigen Zeitpunkt absolut nicht absehbar oder morgen vielleicht bereits wieder überholt. Es ist jedenfalls durchaus sinnvoll, Stresstests der Vereine durchzuführen und das Lizenzierungsverfahren zu adaptieren und zu verlängern. Vermutlich wird die Frage, wer kommende Saison wo spielt, leider auch eine wirtschaftliche Frage.

Wir Fans werden es sowieso nehmen müssen wie es kommt und das Wichtigste in diesen Tagen ist unser aller Gesundheit.

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Links…

https://www.90minuten.at/de/red/magazin/interviews/2020/maerz/video—christian-ebenbauer—–wir-fuehren-mit-den-klubs-derzeit-stresstests-durch—/

https://www.laola1.at/de/red/fussball/bundesliga/news/markus-kraetschmer—fortbestand-der-austria-sichern-/

https://www.derstandard.at/story/2000115968838/moegliches-szenario-nach-virologenbefund-kein-fussball-mehr-bis-2021

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Über MMMasi

Über mich: Jahrgang 81; Heimat Osttribüne, Kategorie D Hool (nervt alle von der 1. bis zur 4. Hälfte - im Stadion und im verfickten Internet) mit den Hobbies Rauchen, Trinken (v.a. Ottakringer & Red Bull) und Fußball – aber auch Familienmensch, engagiert, loyal & hilfsbereit. Warum die Austria. Austria siegt durch Witz, Spielkultur und Intelligenz, steht für schönen Fußball auf technisch höchstem Niveau. Austria Fans überzeugen durch Klasse anstatt durch Masse, sind selten einer Meinung, können über alles raunzen und sind wunderbar vielfältig.