Derby ohne Auswärtsfans

„Ausgerechnet der angeblich kaum existierende verhaltenskreative Teil der Fanszene von unserem Erzrivalen, der bekanntlich überhaupt noch nie was angestellt bzw. gegen etwas verstoßen hat, droht zum Totengräber der Austria-Szene instrumentalisiert zu werden“, heißt es im offenen Brief der Fanclubs der Osttribüne vom 15.02.2013. Und tatsächlich hätten die Vorstädter mit ihren Angriffen zum Sargnagel der violetten Szene werden können – zwar nicht so wie es die Verfasser des Briefes befürchteten – aber der Protest der Austria Fanclubs wäre sicher anders verlaufen, hätte es nicht diese unnötigen Androhungen von Stadionverboten für Austrianer im Zusammenhang mit dem Angriff von „Rapid & Ferencvaros Fans“ auf den Vorplatz der Osttribüne gegeben.

Dieser Überfall ist nur einer aus einer Reihe von mehreren Angriffen von Grün-Weißen auf Fans der Austria. Neben der berüchtigten Westbahnhof-Attacke bekam der Vorsänger der Fanatics Stadionverbot im Zusammenhang mit einer „Notwehrüberschreitung“ beim sogenannten „Trojaner“ Überfall auf in Choreo Vorbereitung steckenden Austria Fans, weiters gab es im Februar vorigen Jahres unschöne Szenen in der U-Bahn Station Pilgramgasse. Der gestrige Angriff auf Valentin Grubeck, einem Spieler der Austria Amateure, stellt einen neuen Höhepunkt in dieser traurigen Liste dar.

Als Strafmaßnahme wird immer wieder die Verlegung aller Derbys ins Happel Stadion genannt, da dort nach Ansicht der Exekutive die Fanströme bei der Anreise besser getrennt werden können. Aber auch die Möglichkeit, ein Derby ohne Auswärtsfans stattfinden zu lassen wird diskutiert. Die Austria hat im vergangenen Jahr die Anzahl der Gästefans erheblich reduziert, auch dank infrastruktureller Maßnahmen steht den Rapid Fans ausschließlich das von der Bundesliga festgeschriebene Kontingent zur Verfügung. Rapid verknappte auch die Anzahl der Gästetickets auf die 10 % des Fassungsvermögens des Weststadions, obwohl dort auf der Osttribüne in etwa Platz für 2500 Fans wäre. Während für die Übersiedlung ins Happel Stadion (die für die Heimspiele des SK Rapids aufgrund der Sanierung/Umbaus/Neubaus/Schließung des Gerhard Hanappi Stadions in naher Zukunft ohnehin vorgesehen ist) kaum ein Austria Fan zu gewinnen ist, halten einige ein Derby ohne Auswärtsfans für möglich. Laut Mitarbeitern der Austria wäre dies auch mit den Bundesliga-Richtlinien vereinbar, die Exekutive müsste Sorge tragen, dass die organisierten Gästefans nicht dennoch kommen. Für die Normalos auf den Längstribünen würde sich kaum etwas ändern, das Stadion hätte keinen grünen Fleck in der Ecke und die monotonen Staubsaugergeräusche würden wegfallen. Natürlich würde der SK Rapid darauf reagieren und seinerseits keine Gästefans zulassen, was aber im Happel Stadion aufgrund des Fassungsvermögens nahezu unmöglich ist.

Viel wichtiger wäre aber eine andere Reaktion, nämlich dafür Sorge zu tragen, dass ein friedliches Nebeneinander möglich ist, die Fans sich ausschließlich akustisch duellieren und derartige Maßnahmen erst gar nicht nötig werden. Schon seit längerem gibt es Arbeitsgruppen innerhalb der Bundesliga zum Thema Sicherheit. Ziel ist auch die Unterstützung der Exekutive und der Öffentlichkeit im Kampf gegen Gewalt einzufordern, indem man seine eigenen Hausaufgaben erledigt. 9 Vereine bzw. 3 Vereine (Austria, Sturm Graz & Innsbruck) mit nennenswerter Szene ziehen an einem Strang, der Verantwortliche eines nicht unbedeutenden Bundesligamitgliedes, der sich an und für sich aus der „Fanbetreuung“ zurückgezogen hat, erschien, wenn überhaupt, verspätet und hatte bloß Plattitüden zu bieten. Spät aber doch hat aber auch der SK Rapid die Zeichen der Zeit erkannt und ist vielleicht unter der neuen Führung bereit sich an einer gemeinsamen Initiative zu beteiligen. Gefordert wird beispielsweise die Unterstützung von Sozialarbeit bei den Vereinen durch die öffentliche Hand genauso wie gerichtliche Stadionverbote, die für den jeweils Betroffenen weiterreichende Konsequenzen (z.B. Information des Dienstgebers) hätte, als das bisher bei den von der Bundesliga ausgesprochenen Stadionverboten der Fall ist.

Aus neutraler Sicht bleibt zu hoffen, dass die Bundesliga damit Erfolg hat und die notwendige Unterstützung aus Politik & Gesellschaft erhält, vor allem wenn es um Maßnahmen geht, die Gewalt in den Stadien vermeiden helfen und so Konsequenzen erst gar nicht notwendig werden lassen. Dann steht auch einem positiven Ausleben seines Fanatismus nichts im Wege.

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Über MMMasi

Über mich: Jahrgang 81; Heimat Osttribüne, Kategorie D Hool (nervt alle von der 1. bis zur 4. Hälfte - im Stadion und im verfickten Internet) mit den Hobbies Rauchen, Trinken (v.a. Ottakringer & Red Bull) und Fußball – aber auch Familienmensch, engagiert, loyal & hilfsbereit. Warum die Austria. Austria siegt durch Witz, Spielkultur und Intelligenz, steht für schönen Fußball auf technisch höchstem Niveau. Austria Fans überzeugen durch Klasse anstatt durch Masse, sind selten einer Meinung, können über alles raunzen und sind wunderbar vielfältig.

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