Der Bann gehört gebrochen!

Ich habe viele Fußballfans dabei beobachtet, wie sie nach der enttäuschenden Niederlage der österreichischen Nationalmannschaft gegen Ungarn wie geknickt waren. Für viele war diese Auftaktniederlage bei der Europameisterschaft in Frankreich wie ein böses Erwachen. Für viele war es dies seit langem das erste Mal. Denn viele hatten seit langem nicht mehr so große Erwartungen in eine österreichische Nationalmannschaft wie vor diesem Spiel.

Das mit den Erwartungen ist dann ja auch immer so eine Sache. Erwartungen wachsen scheint´s wie von selbst. Sie entstehen oft so schnell wie sie dann auch wieder gehen. Sie sind manchmal schwer greifbar und schweben über den Köpfen ganzer Stadien voller Menschen. Sie werden von Spielern, Verantwortlichen oder Medien wahrgenommen und aufgegriffen, geschürt wie ein kleines Feuer, dass es heißt am Leben zu halten. Erwartungen sind Emotionen auf ein Ereignis bezogen. Deshalb passen sie wohl auch so gut zu Fußball. Einem so ereignisorienterten Unternehmen das regelrecht das Ereignis zum Höchsten macht. Ständig geht es darum, was sich als Nächstes ereignen wird. Die Spannung in Erwartung des nächsten großen Ereignisses ist integrativer Teil des Erlebens von Fußball. Es ist also nur allzu verständlich, dass, wie im Falle der österreichischen Nationalmannschaft, viele Erwartungen hinsichtlich des nicht alltäglichen Ereignisses Europameisterschaft oft in bitterer Enttäuschung endeten.

Gelernte Fußballfans, sagen wir mal zum Beispiel Anhänger der Wiener Austria, wir, sind mit solchen Mechanismen grundsätzlich sehr gut vertraut. Die Erwartungen werden sobald es Aussicht auf Erfolge gibt zum Sinnbild des Fandaseins. Zurecht, wie ich finde. Und sie werden wiederum oft enttäuscht. Damit umzugehen ist der gemeine Austria-Fan jedoch besser gerüstet als ein, aus einem eher unerwartet guten Abschneiden des ÖFB-Teams erwachsener Nationalteamfan. Und doch scheint es, dass wir Veilchen aktuell uns mit der Erwartungshaltung verdächtig zurückhalten. Zwei Saisonen mussten wir ohne der Chance internationale Spiele zu sehen zuwarten, oder anderen Teams zusehen wie sie diesen Quell der Erwartungen und Ereignisse für sich anzapften. Wir waren wohl zuvor etwas verwöhnt und hatten es als zu selbstverständlich hingenommen dabei zu sein. Es scheint, dass die enttäuschten Erwartungen die Entstehung neuer, frischer Erwartungen erschwert.

Aber morgen ist es wieder soweit. Die Wiener Austria betritt nach viel zu langer Zeit wieder internationales Bankett. Und nein, wir spielen nicht in der Champions League, wir spielen nicht mit den Großen. Nein, wir müssen dorthin wo wir uns eigentlich schon ganz gut auskannten. Nämlich in die Duelle der Qualifikation um die großen Spiele. Und da zähle ich persönlich auch Europa League-Spiele dazu. Sogar die letzten Quali-Runden für ebendiese haben mich schon oft gefesselt. Tolle Auswärtsfahrten und spannende, oft prickelnde Heimpartien waren es die Erinnerungen geschaffen haben.

Dahin möchte ich gerne ab heute wieder zurück. Erwartungen wieder in Erinnerungen zu verwandeln. Nämlich Erinnerungen die den Erwartungen gerecht werden.

 

Hinweis: Original des Beitragsbildes von www.austria80.com © Fritz Duras

Günther

Über herguent

Geboren in Steyr und über Umwege in Wien gelandet war ich auf der Suche nach einem Fußballklub bei dem ich heimisch werden könnte. Bei den Veilchen wurde ich schließlich fündig und lerne sie immer noch erst kennen. Geschichte, Tradition, Entwicklung und das gegenwärtige Mitfiebern wann immer ich den Weg ins Stadion finde. That´s it! Austria Wien seit 1911! Mit mir seit 2008!