Das ist ja fast wie Magie

One prize, one goal

One golden glance of what should be

 

Samstag, 07.11., 17:45. Schiedsrichter Schörgenhofer pfeift das Auftaktspiel der 15. Bundesligarunde zwischen der Austria und Red Bull Salzburg ab. Ein hart umkämpftes, aber schließlich faires 1-1, Kevin Friesenbichler hat zum vierten Mal in wenigen Wochen einen enorm wichtigen Treffer für die Veilchen erzielt.

Zufriedene Gesichter, Applaus, Standing Ovations. Wann haben wir uns zuletzt so über ein Unentschieden gefreut? Wann hat der Blick auf die Tabelle das letzte Mal etwas anderes als Ärger, Ratlosigkeit oder Frust verursacht?

Ganz genau – vor drei Jahren, in der Saison 2012/2013, als wir zuletzt Meister wurden.

Noch traut sich niemand, das „Wort mit M“ offen auszusprechen, geschweige denn als Saisonziel zu benennen. Thorsten Fink spielt in jedem seiner Interviews geschickt die Erwartungen der Medien und der Fans herunter. Die Saison ist noch lange. Selbst ein dritter Platz Ende Mai wäre schon ein schöner Erfolg nach den in jeder Hinsicht verkorksten letzten zwei Saisonen.

Und dennoch schleichen sich – seit dem Derbysieg Ende Oktober, aber viel mehr noch nach dem Auswärtsspiel in Mattersburg, als wir die Tabellenführung übernommen hatten – Gedanken ein, die wir schon lange nicht mehr hatten.

Ein Trainer mit einem klaren Konzept, der weiß, was seine Spieler können und jeden einzelnen von ihnen schätzt. Eine Verteidigung, die sich nach einigen Patzern inzwischen immer besser eingespielt hat – und von einem immer souveräneren, teilweise kompromisslosen Innenverteidiger angeführt wird. Mittelfeldspieler, die vor einem halben Jahr noch als Fehlkauf abgestempelt wurden und mittlerweile unverzichtbare Bestandteile eines vielleicht nicht immer attraktiven, aber sehr effektiven Systems geworden sind. Ein sehr junger Stürmer, der sich erst in der Bundesliga einleben musste, aber seit seinem schönen Siegestor im Derby vor Selbstvertrauen strotzt. Mittendrin ein kreativer, technisch starker Mittelfeldspieler, der uns inzwischen Woche für Woche mit seinem Können verblüfft und geniale Pässe spielt.

Haben wir das schon einmal erlebt?

 

The waiting seems eternally
The day will dawn of sanity
Ooh ooh ooh ooh
Is this a kind of magic?
It’s a kind of magic
There can be only one

 

Noch ist es früh. Die Saison ist noch nicht einmal zur Hälfte vorbei. Red Bull – wie jedes Jahr der große Favorit – wird schwer, aber nicht unmöglich zu biegen sein. Niemand weiß, wie lange unsere Erzrivalen aus der westlichen Vorstadt noch den Spagat zwischen Europa League und Bundesliga schaffen müssen. Auch den SK Sturm – obwohl inkonsistent wie eh und je – darf man vor allem in der Frühjahrssaison nicht völlig aus den Augen verlieren.

Und dennoch weht derzeit ein anderer Wind in Wien-Favoriten als noch vor einem Jahr.

Optimismus, Vorfreude auf das nächste Spiel, Stolz auf die Leistungen der Mannschaft und Begeisterung darüber, einen kompetenten, modernen Trainer zu haben.

Die Ereignisse seit Anfang Oktober fühlen sich fast ein bisschen magisch an. Dass es so schnell wieder so bergauf gehen würde, hatten nicht einmal die größten Optimisten geglaubt.

Es macht endlich wieder Spaß.

Wer weiß, wo uns diese Saison noch hinführt?

 

 

Julia Raffalt

Über forzaviola15

Jahrgang 1990, studierte Rechtsverdreherin mit Wahlheimat Wellington/Neuseeland. Von meinen Freunden "wandelndes Statistiklexikon" genannt, beschäftige mich genauso gerne mit Fußballgeschichte wie mit der aktuellen Saison. Mag aber noch sehr viele andere Sportarten - neuerdings auch Cricket - und spiele selbst seit ein paar Jahren Badminton. Nach einigen Wanderungen seit 2011 fix auf der Nordtribüne zu Hause und freue mich jetzt schon unglaublich auf einen Neu- oder Ausbau! Im Stadion nie ohne violette Brille, außerhalb aber ein umgänglicher Mensch. Musikgeschmack wechselt je nach Stimmung, meine Lieblingsband ist allerdings seit Jahren Franz Ferdinand. Warum ein Veilchen: Aus anfänglicher Sympathie hat sich irgendwann - spätestens, seit ich das erste Mal von der Austria als "wir" gesprochen habe - eine große Liebe entwickelt. Hab schon so einige Achterbahnfahrten miterlebt und nervenstrapazierende Spiele gesehen. Nicht nur die in Europa so ungewöhnliche Vereinsfarbe, auch der ganz eigene Flair unseres Stadions und die im Gegensatz zu anderen Vereinen wirklich gepflegte Spielkultur machen für mich die Austria zu dem, was sie ist. Auch wenn ich mich manchmal frage, warum ich mir das alles eigentlich antue. AustrianerIn ist, wer es trotzdem bleibt.